Druckschrift 
1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

Bocholtzer Haus in Roermund.

32. Burgliaus zu Roermnad.

Roermund, eine Stadt «an der Mündung der Roer in die Maas, trägt von dieser Lage (Roer-Mündung) denNamen. 1 ) Dort stand der Plaupthof der Gegend, dem besonders Graf Gerhard III. von Geldern seine Gunst zuwandte.Er stiftete dort 1218 ein Cistercienser-Kloster für Frauen (später adliges Fräulein-Stift,) und baute dafür eine noch-wohlerhaltene, sehr interessante Kirche im romanischen Style, in welcher er mit seiner Frau Margaretha begrabenliegt. Der Sarkophag trägt beider lebensgrosse Bildnisse in Stein gehauen, von deren eulturhistorischen Bedeutung ichanderswo sprach 2 ) und folgende Inschrift:

Obiit . anno . millesimo . dueentesimo . vigesimo . nono . ipso . die .beati . Severi . Episeopi . Gerardus . Comes . Gelrie . et . Zutphanie .qui . cum . Margaretha . uxore . sua . ad . instantiam . matris . sue .Richarde . de . Nassovia . prime . huius . loci . abbatisse . monasterium .fundavit . anno . millesimo . dueentesimo . deeimo oetavo ambo . in .

hoc . loeo . sepulti.

Auch versah Gerard III. den Ort mit einem Carthäuser-Kloster genannt Bethlehem, dem Reinald II. einFranziscaner-Kloster zugesellte. Diese Stiftungen, die feste Lage, die Stadtrechte, 3 ) welche der Ort genoss undMuster für Montfort, Zaltbommel und Wageningen wurden, die Fruchtbarkeit der Gegend, der Verkehr zwischendem Geldrischen und Lüttich hoben mehr und mehr den Wohlstand und machten Roermund zu der Hauptstadt desvierten oder Ober-quartiers von Gelderland, welches neben Roermund nie Städte Venlo, Geldern, Stralen, Wachten-donck, Erkelenz, Montfort, Echt und Niewestadt, auch die Gerichtsbezirke Kessel, Midlaer und Krickenbeck in sichbogi'iff. Sie würde Sitz der Landstände und des Hofes *) von Gelderland, das heisst des höchsten Rathscollegiums derProvinz, welche zusammen in dem dortigen Stadthause tagten. Die Geschichte dieses Quartiers, so wie der dreiübrigen: Betau (Nymwegen), Velau und Zutphen, zusammen auch Nieder-Geldern genannt, habe ich im vierten Bandedieses Werkes in Kürze besprochen, hier folgende Einzelheiten.

Aus der Stiftungs-Urkunde von 1218 5 ) geht hervor, dass Roermund damals schon ein befestigter Ort(Oppidum) war. Am 31. Juli 1290 erlaubte der römische König Rudolph dem Grafen von Geldern, die Münze vonArnheim nach Roermund zu verlegen. 6 ) Am 4. December 1312 verlieh Graf Reinald I. von Geldern den OrtenMontfort und Wageningen und am 13. October 1316 dem Orte Zalt-Bommell die Stadtrechte von Roermund undverpflichtete sie, ihr Recht bei der letztgenannten Stadt zu suchen, also dieselbe als den Haupthof anzuerkennen.') ImJahre 1328, 13. Januar bestätigte Graf Reinald H. von Geldern der Stadt und dem Quartier von Roermund ihre

') Im 14. Jahrhunderte heisst sie auch: insula dei super Mosam. Nyhoff, Gedenkwardigheden, Bd, I., S. 131 u. an andern Stellen.

2 ) Fahne, Geschichte der Herren von Hövel, Band I., Seite 50, Anmerkung.

3 ) Bondam, Charterboeck des Hertogdoms Gelre, S. 334. 4 ) Er bestand, nach der Theilung des Oberquartiers zwischenTreussen und Oesterreich, nur noch aus einem Kanzler, 5 Räthen und 1 Greffier, vorher war die Zahl der Riithe um das Doppelte grössergewesen. Dieser Hof (jetzt die Stadt,) hatte das Archiv des Oberquartiers unter sich, zu dem der Barrier-Vertrag, Artikel 18, jedem dervertragschliessenden Staaten den Zugang freigehalten hat.

s) Bondam, 1. c. «) Nyhoff I., S. 32. ') Ebenda, S. 141, 214.