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Nach der in Lobberich allgemein verbreiteten Sago fand sich der höchst merkwürdige Taufstein, welcherjetzt (in der Form unter 1.,) in der Pfarrkirche, und zwar mit einer Seite in die Wand eingemauert ist, vormalsin der Burg Bocholtz, wo im Kaiserthume eine Kirche war. Einige Einwohner geben an, dass ihre Voreltern beiseiner Verlegung von Bocholtz nach Lobberich Zeugen gewesen seien. Dieser Taufstein ist jetzt offenbar verstümmelt,und muss sowohl nach den Merkmalen an ihm selbst, als nach den Mustern, welche sich davon, wenn auch selten,doch in Belgien an zwei Stellen, zu Termonde und Hedelgham bei Brüssel und ausserdem zu Zülpich als Taufsteindes Frankenkönigs Clodwig, noch vorfinden, ursprünglich die Form, welche hier unter 3. folgt, gehabt haben,
3.
denn die vier Sockel für die vier dünneren Säulen um die mittlere dicke Säule sind auf dem Fussstück noch vorhanden.So geformte Taufsteine gehören dem zwölften Jahi'hundert an und reichen höchstens in das dreizehnte Jahrhunderthinein.') Dass der vorstehend abgebildete zu den besseren Productionen dieser Art gehört, bekunden namentlich seineKöpfe, deren characteristische, stylvolle Haltung des besten Meisseis würdig sind. Ich habe einen davon oben unterNr. 2 abgebildet.
Zu Bocholtz wird gegenwärtig noch der dabei gelegene Brokerhof mit 52 Morgen 19 Ruthen 20 FussAckerland und die sogenannte neue Mühle (Windmühle,) mit 11 Morgen 123 Ruthen 40 Fuss Ackerland gerechnetund ist das Ganze folgender Art catastrirt:
Die Gegend, worin die Burg liegt, war anfänglich von den Menapiern, 2 ) später von den Gugernern 3 )bewohnt. Zur Zeit der Franken gehörte sie zu Ripuarien und lag im Gau und Comitat Moila (Mühlgau). 4 ) ihrThurm ist wahrscheinlich von Carl dem Grossen erbaut (daher Kaiserthurm), zum Schutze der wohl von ihm erstangelegten Landstrasse zwischen Aachen und Nimwegen. Diese merkwürdige Strasse ist noch jetzt im Volke, welchesglücklicher Weise ein viel besseres Gedächtniss hat, als man es sonst zu finden pflegt, bekannt. Sie tritt, vonNimwegen kommend, zwischen Weeze und Goch, ohne den letzteren Ort zu berühren, in den Kreis Geldern, berührtdie Orte Maria-Wasser, Wemb, Twisteden, Walbeck, Stralen, übersteigt den Boichberg, indem sie das Dorf Heringenim Thale rechts lässt, überschreitet bei der Volhardsmühle, nahe bei Krickenbcck die Nette, durchschneidet dieGemeinde Ilinsbeck, ohne das Dorf zu berühren, geht vor der Burg Bochoiz, welche sie rechts am Wege lässt,
') Schayes, histoire de l'Architecture en Bolgique I., S. 271.
-) Die Sümpfe, -welche die alten römischen Schriftsteller (Tacitus, Julius Caesar) in ihrem Lande gefunden haben, rinden sichjetzt noch wieder in den vielen, über die ganze Gegend zerstreuten Docken und Iiaarnen, die jetzt die aus ihnen durch Cultur geschaffenenkleinen Seen genannt werden, in denen die ältesten Hauptniederlassungen liegen.
■•>) Vergleiche Pliuius libr. XIX Cap. 5, Tacitus histor. IV. 14, 26, 33. Nach dem Itinerarium Antonini zu urtheilen lag nochGelduba in ihren Grenzen, dem Batavus Civilis standen sie als die ersten Bundesgenossen zur Seite.
4 ) Der Mühlgau, pagus Moila oder Moella, Mula, Muelacensis, Molensis, Molkene, wie er auch sonst genannt wird, hatteseinen eigenen Grafen (comitat) wie dieses die Annales Bertinian oder des Prudentius Trecensis sagen. Das Weitere über diesen Punktunten, wo seine Grenze ermittelt werden soll.