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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Sie wird von einem Pfarrer, durch die Herren von Meschede dotirt, und einem Vicar bedient. Die Vicarie ist imvorigen Jahre erst von dem jetzigen Besitzer der Herrschaft, Grafen Diedrich von Bocholtz, zum Wohle derPfarrgenossen und namentlich zur Beförderung des Schulunterrichts gegründet.

Alme war ursprünglich ein Untergau des Herzogtums Westphalen, bis zu dessen Grenzen sich schon1000 das Erzstift Cöln erstreckte. >) Es wird darin sehr früh der Ort Wülfte (Wulfgangri in Pago Alemunga)im Güter-Register der Abtei Corvey (Falke, tradit., Seite 405,) genannt, und zwar in den Jahren 854877. DerGau erstreckte sich über die späteren Kirchspiele: Alme, Thüle, Bonkirchen, mit den Ortschaften Rösebeke, Messing-hausen, Nehden (Nehen), Madfeld, Ruttlinghausen, Hoppeke und der Stadt und Burg Aldenvils bei Rosenbeck, jetztverschwunden, 2 ) welche im Mittelalter zusammen einen einzigen Archidiaconal-Verband unter dem Namen Halingsen, 3 )(Haidinghausen, Hailinghausen) ausmachten und deren Archidiacon, in Folge Stiftung des h. Meinwerks vom Jahre1031, der Abt von Abdinghof in Paderborn war. Ecclesiam quoque in Haldinghuson cum banno Episcopali et tribuscappellis attinentibus eidem monasterio delegavit, sagt die Vita Meinwerci, was 1146 durch Papst Eugen III. bestätigtwurde. Dieser Archidiaconal-Verband zählte im Jahre 1600 gemäss Synodal-Protokoll der Abtei Abdinghof 312Feuerstellen (circa 2200 Seelen), nämlich: Thüle 36, Ober-Alme 34, Unter-Alme 53, Roseke 46, Messinghausen 40,Nehden 36, Rottlinghausen 14, Hoppeke 26, Bonkirchen (Buntkirchen) 26:

Die Archidiaconal-Kirche zu Hallinhausen, wohl zweifellos die Kirche der gleichnamigen Burg, von derenBesitzern das alte Memorienbuch der Kirche zu Alme mit den Worten: Memoria defunetorum in Hallinghusen,Nachricht gibt, lag an der Nette, eine halbe Stunde von Nieder-Alme, auf einer Haide, die, bis voriges Jahr, nur alsGemeindehude benutzt wurde und im Volke die Hallinger Haide hiess. Es fanden zieh dort im Laufe dieses Jahr-hunderts noch Beweise des früheren Zustandes vor, nämlich ein mit altem Gemäuer umgebener Platz, vom VolkeRuin Hallingsen genannt, mit daran grenzendem grossen viereckigen Garten, vier noch wohlcrhaltenen Fischteichenund einem Areal von circa 200 Morgen Land, welche deutlich Spuren einer früheren Cultur an sich trugen. DieZerstörung dieser Kirche und Burg in Folge kriegerischer Vorfälle wird in die Mitte des 14. Jahrhunderts gesetzt.Der Namen Hallinghausen scheint mir von dem Grafen Ilahold herzurühren, dessen Comitat sich über die dortigeGegend erstreckte und der dort vielleicht selbst wohnte, oder doch Burgmänner wohnen hatte.

Mit der Herrschaft Alme war vormals auch ein Freistuhl verbunden, der vom Kaiser zu Lehn ging undüber den der Besitzer der Herrschaft Freistuhlherr war. Da dieser Stuhl genau die Grenzen des beschriebenenArchidiaconats hatte, so wurde er von der geistlichen Behörde in dem Synodal-Protokolle vom 7. März 1600 derFreistuhl von Hallinghusen genannt. Sein Sitz lag indess, wenigstens in den letzten Jahrhunderten, unter der Eicheam südlichen Abhänge einer sanften Schlucht zwischen Ober- und Nieder-Alme. 1490 erscheint Herman v. Meschede,Herr zu Alme, als Stuhlherr bei einer General-Versammlung der Stuhlherren zu Arnsberg. Sonst kommen vor:1526 Henrich Beckmann als Freigrafdes kaiserlichen freyen stoels tho Ouer-Abne." 156989 Johann Knipschild,Freigraf zu Alme, auch Freigraf und cölnischer Gaugraf zu Medebach. 1608 Franz Eilhardt, Freigraf zu Alme.1611 Christian Voeth, Freigraf zu Alme. 164172 Johann Wordehof, cölnischer Landschreiber, Freigraf zu Alme.1683, 26. Juni G. Fried. Wulfersheim, Gerichtschreiber zu Arnsberg, zum Richter und Freigrafen zu Alme bestellt.16861703 Conrad Roing, Freigraf zu A. 1707, 8. August 1724 Dr. Joh. Otto Wilhelm, Freigraf zu Alme.176472 Wilhelm Anton Haver, Sammtrichter und Freigraf zu Alme. 1786 Hofrath Lange.

Das Freistuhl-Protokoll von 1590 gibt den Gerichtsbezirk folgender Art an: Verzeichniss dero dorfferen,so vur den Syndt des stoels Haidinghausen und des freien Stoels zu Ubern-Allme gehörig: Prinzipall (d. h. erstens)Wynckhaussen, item Ubern-Almenn, Niedern Allmenn, Haldinghaussenn, 4 ) Wulfferinghaussenn, Annepenn, Thulenn,Nehenn, Rattlinghausen, Rösebeke, Keffelcke, Oestlingenn (das frühere Madfeld), Wallberinghaussenn, Drifferinghaussenn,Weissinghaussen, Buntkirchenn, Hemminckhaussen, Mewerinckhaussenn, Dynckhausen bei Roesebeke, Wenster, Wülffte. 5 )

Liegnitz 63, Breslau 62, Merseburg 57, Münster 55, Minden 38, Erfurt 29, Düsseldorf 23, Aachen 16, Köln 15, Trier 15 und Koblenz 11'/,Morgen. Im Regierungsbezirk Köslin fielen demnach auf eine Besitzung 17 Mal so viel Morgen als in dem Weinbaubezirk Koblenz, wo esBesitzungen von weniger als 1 Morgen Land gab. In den Provinzen Preussen, Posen, Pommern uud Brandenburg war die durchschnittlicheGrösse aller Besitzungen zwischen 100-200 Morgen, in Schlesien, Sachsen und Westphalen etwa zwischen 3080 und in der Rheinprovinzzwischen 1124 Morgen. Die Regierungsbezirke Erfurt und Minden waren jedoch in dieser Beziehung beinahe mit der Rheinprovinz zusam-menzustellen.

') Transiens in flumen Rure et inde in quod dicitur Almana, Gelen de admiranda coloniae magnitudine, pag. 69.

2 ) Sie kommt in der Erbschaft Heinrich des Löwen vor und bei der Theilung zwischen Kaiser Otto IV. und seinem BruderHenrich, (Orig. Guelficae III., Seite 626,) und bestand noch 1307 und 1326, in welchen Jahren ihre Burgmänner in den Landfriedens-Bündnissen erseheinen. (Fahne, Dortmund IL 1., Seite 80 und 113.)

3 ) Vergleiohe die Schrift des Almer Pastors H. Kampschulte, Hallinghausen weiland Pfarrort, Archidiaconalsitz, Freistuhl undEdelsitz, welche im nächsten Bande der Zeitschrift für die Geschichte Westphalens erscheinen wird.

4 ) War also damals noch bewohnt.

6 ) Yon diesen Ortschaften sind mehrere untergegangen, nämlich Wynckhaus; es lag '/, Stunde von Hallinghausen abwärtsder Nette, wo diese in die Alme fliesst; Wulffringhausen, jetzt nur noch Flurabtheilung von Niederalme ; Anepen (Andepen), ist schon frühverlassen und später an seiner Stelle das Dorf Leyberg gebaut; Keffelke, früher ein Dorf, jetzt erinnert nur die Kapelle zum h. Antoniusmit dem Barrierehause zwischen Rösenbeck an die Stelle wo es stand; Walberinghausen und Deifferinghausen scheinen auf dem Matfeldegelegen zu haben; Weissinghausen ist mit Almerfeld identisch; Ilemminkhausen gehörte dem Kloster Bredelar und war schon 1416 einewüste Hofstelle; Mewerinkhausen lag bei Almerfeld; Dynckhausen bei Rosenbeck; Wenster, die noch jetzt sogenannte Gegend zwischen Almeund Mohne, bestand aus den beiden Höfen Kneblinghausen und Brokhof, von denen nur der Letztere noch, und zwar als Rittersitz Bruchdesteht. Von her Stadt Aldenfeld war vorher die Rede; es sind die Trümmer einer Burg noch vorhanden.

Fahne, Bocholt! I. M