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Ferner gehörte zu der Herrschaft die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Pfandlchn des Erzstifts Cöln.Seit dem 10. Jahrhundert, als die herrschaftliche Familie sich in mehrere Linien getheilt hatte und diese in Formvon Ganerbschaft die Herrschaft gemeinsam besassen, nannte sich das Gericht, welches jene Gerichtsbarkeit ausübte,das Gesammt-Gericht. Sein Siegel, worin der h. Ludgerus figurirt, habe ich Tafel H. Nro. 5. abgebildet. Ueberdicsswaren mit der Herrschaft, neben Wind und Wasser, mancherlei bedeutende Gefalle, eine grosse Jagd und Fischereiverbunden.
Fast alle diese Gerechtsamen sind dem Herrschaftsbesitzer in neuster Zeit genommen, dagegen ihm einbleibender Sitz im preussischen Herrenhause eingeräumt. Die Freistuhls- und peinliche Gerichtsbarkeit wurdewährend der Rheinhundsperiode von der hessischen Regierung in Besitz genommen; die Jagd durch das preuss.Gesetz vom 31. October 1848 dem Eigenthümcr ohne allen Schadenersatz entzogen und verschiedenen Besitzerngeschenkt; die noch gebliebene, bürgerliche, Patrimonial-Gerichtsbarkeit durch Gesetz vom 2. Januar 1849 dem preuss.Staate zugesprochen, ebenfalls ohne Ersatz, die bedeutenden Gefälle wurden mittelst der neueren Gesetze zu sehrmils.sigen Preisen abgelösst. Nur Patronat und Fischerei sind noch in voriger Ausdehnung stehen geblieben.
Die Herrschaft hat eine reizende Lage. Die Abbildung auf Tafel 5. kann davon nach einer Seite hinBeweis liefern. Man sieht links die Tinne mit dem d;irauf gelegenen gleichnamigen Hause, rechts den Berg aufdem rechten Almeufer, dazwischen in der Tiefe den Ursprung der Ahne, welche auf die Kirche und SchlossAlme (Meschede) zuströmt. Hierüber hinaus schliesst der Hegeberg und das darüber hervorragende, nach in Unter-Ahne und Büren gelegene Gebirge die Aussicht.
Aussicht auf die Tinne.vormals Schloss und Staat Alme.
Einen anderen Beweis von der schönen Gegend liefert die vorstehende Ansicht, wo man in entaea-en-gesetzter Richtung von der Vorigen, aus dem Garten des Schlosses Ahne (Meschede) über die Alme hinweg dieKirche von Nieder-Almc und links davon Häuser von Nicder-Ahne sieht. Auf der Bergkuppel oberhalb der Kirche,wo jetzt das Haus Tinne steht, stand einst Burg, Schloss und Stadt Alme; rechts davon liegen die Häuser vonOber-Ahne, links ist die Schlucht, in der die Alme ihren Ursprung hat.
Der Boden der Herrschaft ist sehr fruchtbar, überall fette Erde mit Kalkunterlage. Einen grossenReiehthum gewähren die immer grünen Wiesen und die Waklungen, zu einem Thcile prachtvolle Hochwaldungenvon Laubholz mit hin und wieder Eichen von 6—9 Fuss Durehmesser, zu einem anderen Theile nach derSchnur angelegte Tannenwaldungcn, welche grösstenteils der Kcnntniss, Umsicht und Ausdauer des jetzigen Besitzersihr Dasein verdanken, der durch Verkuppelung, Anlagen von Strassen, Wasserleitungen, Wiesen, durch Verbesserungder Düngmethoden, Culturartcn, Viehzucht, Ackerwerkzeuge, durch Anpflanzungen von vielen hunderttausend Bäumenden Wertli der Herrschaft an sich und gleichzeitig die Wohlhabenheit ihrer Einwohner ausserordentlich gesteigertund nebenbei der ganzen Gegend das Ansehen eines grossen Parks gegeben hat.
Die Herrschaft liefert Getreide, (Raps, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Kleesaamen,) Vieh, (Kühe, Schaafound Pferde,) Holz, (Buchen, Eichen, Tannen, Fichten, Lerchen,) und in Folge neuer Entdeckungen vortrefflicheMarmorartcn, worunter ganz besonders eine, mit goldigen Adern sich auszeichnet. Sie enthält mehrere Mühlen,worunter bis vor Kurzem ein Hammerwerk, jetzt Marmorschlciferei, und führt neben Getreide, Vieh, Holz und Marmorganz besonders Wolle aus. '