— 339 —
macht, mein „Familienleben" in der Oeffentlichkeit aner-kennend zu besprechen."
Das Conservatorium feiert im Jahre 1868 sein 25Jähri-ges Jubiläum und Moscheies componirt ein achthändigesStück für die Gelegenheit. „Auch jetzige und frühereSchüler traten mit Compositionen auf, und wie freut esmich, wenn ich in solchen neuen Sachen eine Tendenzzur Oeconomie in den Uebergängen von Tonart zu Tonartfinde; nur diese kann wirksam sein, nicht das Uebermass."Dringende Einladungen von Verwandten und Freun-den ziehen Moscheies und seine Frau im Sommer wiedernach England. Das „bunteste Londoner Leben, alle Mu-sikzustände unverändert" spinnt sich während einigerWochen ab; dann kommt der Genuss von Wald- undSeeluft, durch die Gastfreundschaft der lieben Freundin,Mrs. Newman Smith geboten. „Ein schöner Erard unddabei die ewig wechselnde See, ihr Farbenspiel, ihrRauschen, der silberne Mond, der sich in ihren Wellenspiegelt, vor allem aber die Freude, die ich der liebenmusikalischen Wirthin durch meine Kunst, durch das mitihr Musiciren bereite, sind erquickend. Ich habe ein AveMaria und einige Stücke in der Fünffingerlage geschrie-ben." ....
-... „Die Trennung wurde uns Allen diesmal beson-ders schwer.". . .
Von London aus wird noch ein heiterer Landaufent-halt mit Kindern und Enkeln gemacht. „Heute habe ichdie Neun wie Orgelpfeifen aufgestellt und sie zu meinerMusik tanzen lassen. Für mich der schönste Ball."
Bei der Rückkehr in Leipzig ist viel die Rede vonFranz von Holstein's Oper „Der Haideschacht", die inDresden gegeben werden soll. „Die dürfen wir nichtversäumen", sagt das Tagebuch, und nach der Aufführungschreibt er: „Das Werk hatte mir schon am Ciavier sehrgefallen und jetzt fand, ich alle damals angedeuteten Vor-züge verwirklicht. Die Musik hat melodischen^ Fluss,effectvolle Instrumentation und dramatischen Schwung.Alle Künstler sangen mit Liebe, ja mit Enthusiasmus; ich
22*