Druckschrift 
2 (1873)
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

335

Ein Aufenthalt an der Seeküste mit den englischenKindern und Enkeln ist geistig und körperlich erfrischendund dort componirt er sein vierhändigesFamilienleben".Die kleinen Stücke sollen ein Andenken für die Enkelsein; zunächst für die meinigen, dann aber auch für all'meine Enkel in der Kunst, und ich hoffe, sie sollen Un-terhaltung darin finden. Jedes Stück enthält eine Erzäh-lung, eine mit den Kleinen durchlebte oder für das Kin-dergemüth anziehende Situation, so können sie sich Etwasdabei denken, etwas dabei fühlen, und thun sie das, sowerden sie auch gut spielen."

Moscheies fügte später den 12 Stücken desFamilien-lebens" noch drei hinzu:Die kleine Schwätzerin",DerGrossmutter Nachtgedanken am Spinnrad" undDesKnaben Schaukelpferd." Oft, wenn Moscheies Abendsspielte, hatte er ausserhalb des Hauses eine dankbareZuhörerschaar aus den untersten Volksschichten, und esmachte nicht wenig Eindruck auf die Kinder, dass einesAbends ein Mann auf des andern Schulter steigend, miteiner Stentorstimme ins offene Fenster hinein rief: Godgrant that Gentleman for a long time the use of hishands! (Gott gebe diesem Herrn noch lange den Gebrauchseiner Hände!)

In dieser Zeit begann auch der Sohn des VatersPortrait zu malen, und es mag wohl ein günstiger Mo--ment gewesen sein. Geistig durch die künstlerische An-erkennung gehoben, körperlich durch den. Aufenthalt ander See gestärkt, sah er heiter und lebensfrisch aus. DieSitzungen waren so viele Stunden eingehender Kunst-gespräche mit dem langentbehrten Sohn; Vergleichezwischen der Musik und Malerei, wie Moscheies sie stetszu machen liebte. So wirft uns diese Leinwand die Seeledes Künstlers und den freundlich heitern Blick des Vatersals Spiegelbild zurück.

Im Spätherbst bei der Rückkehr nach Leipzig em-pfängt man im Moscheles'schen Hause an Sonntag-Nach-mittagen Künstler und Liebhaber, wie man es schon imletzten Jahre gethan hatte.Und wie gern sehe ich den