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2 (1873)
Seite
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Jeder an der Hand einer weissgekleideten Jungfrau daher-schritten, hatte der Anblick etwas Rührendes: die sichereJugend, die dem schwankenden Alter als Stütze dient.Bei der Heimkehr des Zuges beehrten mich die darinmitziehenden Pauliner und andere musikalische Körper-schaften vor unsern offenen geschmückten Fenstern mitFahnen-Schwenken und Zuruf. Die Musik auf dem Markt,der Fackelzug, die Illumination, Alles war vortrefflich an-geordnet, gut ausgeführt und vom schönsten Wetter be-günstigt."

Und dann wieder heisst es:Fast die ganze Stadt be-ging den Geburtstag unseres würdigen Cantors Haupt-mann, den man Verdientermassen in jeder Weise feierte.Ich überreichte ihm das Manuscript meines C-moll-Trios.Möchte der Vortreffliche unserer Stadt und unserem In-stitut noch lange erhalten bleiben!"

Moscheies schrieb in dieser Zeit seineVariationenim Volkston" und arrangirte dieSonate symphonique" zuacht Händen. Den wiederholten Anfragen des HerrnZellner aus Wien, in dessen historischen Concerten zuspielen, konnte er nicht Folge leisten, denn wie schmeichel-haft und verlockend der Antrag war, er musste seinemGrundsatze desNicht öffentlich Spielens" treu bleiben."

Aber auch anderen musikalischen Grundsätzen bleibter treu. Er, der stets den Handleiter und andere mecha-nische Mittel verschmähte, schreibt:Wie können chirur-gische Abhandlungen über*die Arm-, Hand- und Finger-gelenke den Weg zur Kunst des Clavierspiels bahnen, wiedie soeben erschienene Schrift es beabsichtigt? Um diesenPreis wäre ich nie ein Ciavierspieler geworden. Die Seelemuss durch die Finger zum Herzen reden, das ist dieHauptsache. Aber ich verschmähe es nicht, technischschwere Passagen als Turnübung für meine Finger zuspielen und halte es mit Riehl's Worten:Ein sojährigerMann, der Leib und Geist schlaff hängen lässt, ist binnenzwei Jahren siebzig alt. Ein Siebenziger, der immer in Kraftund Arbeit hat jung bleiben wollen, ist ein Mann in sei-nen besten Jahren." Doch bin ich, fährt Moscheies fort,