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2 (1873)
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1862 1870.

Wir finden Moscheies in diesen Sechziger Jahren nochin voller Geistes- und Körperfrische, unermüdlich imLehren wie im Hören, und eben deshalb doppelt empfind-lich gegen einige Uebelstände, welche ihm der Zeitum-schwung nicht ersparte. Als Jüngling hatte er es, wiewir gesehen haben, vermieden, seinem Dionys Weber un-treu zu werden, indem er sich jedes andern Unterrichtsenthielt; an seinen Lieblingsschülern aber musste er esoft erleben, dass sie zu andern Meistern übergingen, un-ter denen sein Legato, seine Weichheit des Anschlagsgegen das moderne Martellato eingetauscht wurden. Stattseiner Gemessenheit erprobten sie die Kraft des losenGelenkes, statt seiner Massigkeit im Gebrauch beider Pe-dale lernten sie deren fast unausgesetzte Anwendung.Das betrübte ihn. Nicht minder die Geschmacks-Richtungin der modernen Composition. Er klagte oft über diegrellen Contraste:Zu viel Weltschmerz und zu viel don-nernde Effecte", mit denen man das grosse Publicum an-zulocken und zu entzünden wusste; er konnte es auch nieanders als eineGewissens-Entlastung" nennen, wenn manin einem Concert den Bravour-Solostücken eine von Bach'sgrossartigen Fugen voranschickte,und noch dazu prestis-simo"; dahingegen erfreute es ihn aufrichtig, wenn Haydn'sHumor, Mozart's Cantilene, Beethoven's Grossartigkeit diegebührende Anerkennung fanden,wenn Freund Mendels-sohn noch fortlebte". Nur hatte er dabei oft an denTempi zu tadeln; ihm fehlten überall die Traditionenseiner Jugend.Die rasende Schnelligkeit, die manchesNötchen verschluckt",das Ausspinnen eines Andante,bis es zum Adagio wird",ein' Andante con moto, demdas moto fehlt",ein Allegro comodo, das sich's gar nichtmehr bequem macht," das Alles störte ihm den Genuss.Im Anfang wagte er, den jüngeren Kunstbrüdern seineAnsicht darüber mitzutheilen, doch blieb sie unbeachtet,und da es nicht in seiner Geschmacksrichtung lag, sich

Moscheles' Leben. II. 2I