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so eine Londoner Saison ist anstrengend - ich geniessewenig Nachtruhe und doch schreibe ich schon um 7 Uhrfrüh, und schon die Masse des hier Gehörten verdientdiese Aufzählung als staunenswerth. Alle Nationen sindals Sänger vertreten. Mme. Miolan-Carvalho macht denFranzosen Ehre, die Tietjens und Formes uns Deutschen,von Engländern muss ich Sims Reeves, Mm. Parepa undMrs. Lemmens-Sherrington loben; die Grisi macht ebendem neu aufgehenden Stern Adelina Patti Platz, indemsie ihre Abschiedsvorstellungen giebt; diese Patti mitihrer biegsamen Stimme geht hinauf bis in's dreige-strichene F, ohne dass es ihr schwer fiele; ihr schönes, jaausgezeichnetes Talent bei so grosser Jugend interessirtemich ungemein. Mitunter höre ich einen Sänger, der tre-mulirt wie ein geborstener Resonanzboden, dann möchteich davon laufen." . . .
. . . „Ein Tag bei Otto Goldschmidts war reich anGenüssen, nirgends drückender Luxus und doch Eleganz;nirgends äusserer Prunk, aber desto mehr innere Gemüth-lichkeit. Und nun erst die Musik. Mit Otto Goldschmidthatte ich die Freude, mein Hommage ä Händel zu spielenund zwar ohne Concession meiner besseren Ueberzeugung,vielmehr in vollkommenem Einverständniss. Auch dieBachpräludien spielten wir und er bezeigte mir seine Be-friedigung über die Idee und Ausführung. Seine Frauin ihrem eigenen Hause Lieder singen zu hören, ist einunbeschreiblicher Genuss; ihre Stimme klingt noch soschön wie immer, sie begeisterte uns" . . .
Eine Anfrage des Old Philharmonie an Moscheies,„ob dieser in einem ihrer Concerte spielen wolle", ruft diealten Bedenken wegen des „nicht mehr öffentlich Auf-tretens hervor; das einmal aufgestellte Prinzip sollte ge-wahrt werden und doch fällt der Wunsch, den altenFreunden und Collegen angenehm, vielleicht nützlich zuwerden, so schwer in's Gewicht, dass er schreibt: „Ichhabe doch eingewilligt, aber mit dem Bedeuten, dass ichnur aus alter Freundschaft, nicht um ein Honorar spiele."Moscheies fühlte sich bei diesem Auftreten — dem ersten