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Als die Frau den Sohn, der in Antwerpen studirt,auf kurze Tage besucht, schreibt Moscheies ihr: . . . „Undnun will ich Dir beschreiben, wie ein Philosoph lebt,dessen bessere Hälfte belgische Luft athmet. Er hört dieEuryanthe, geht zu David und trifft dort eine alte "Wie-nerin, die alle Seichtheit in der Kunst vertheidigen will:„Warum immer die Klassiker? Warum das ewig pedan-tische Wesen?" David erklärt, erhitzt sich endlich, ichbin meist still, wie Du mich kennst, als aber dieSchwätzerin beim Weggehen über die Mode der kleinenDamenhüte herfällt, platze ich heraus: Also mit derMode in der Kunst sind Sie nachsichtiger, als mit so einerLappalie, der Mode eines Huts?" ....
Die Umgegend von Hamburg ist das Ziel der dies-jährigen Sommerreise. Dort spielt er viel auf einemStreicher und schreibt bei seiner Rückkehr nach Leipzig:„Meinen Erard hätte ich küssen mögen; er trat mir sofreundlich entgegen, als wollte er sagen: Sieh, ich binnicht verstimmt ob Deiner Intimität mit dem neuenFreunde, dem Hamburger Streicher . . ."
Ein Brief an die Tochter nach ihrer Heimkehr inden Orient lautet: „Ein schöner Frühlingstag, eine Sym-phonie von Beethoven oder ein Chor von Händel hättemir keinen grösseren Genuss gewähren können als dieKunde Eurer glücklichen Ankunft. Euer Brief enthältBezügliches auf verschiedene Kunstwerke, als „Meeres-stille und glückliche Fahrt" — „Kindermärchen" — „Dich-tung und Wahrheit" — sogar Hoffmann mit seinemMeister F . . . lebt darin fort; und was mich betiifft, sowird Gegenstand meiner künftigen Träume sein: lesadieux, l'absence et le retour (von einem gewissenBeethoven)."
Gestern spielte Louis Brassin im Gewandhaus meinG-moll Concert mit so viel Rundung des Anschlags undWärme der Auffassung, dass ihm grosser Beifall zu Theilward, obwohl die übergrosse Technik im letzten Satz miteinem überschnellen Tempo davonlief. ConcertmeisterMüller aus Braunschweig und Director Stern aus Berlin,