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2 (1873)
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Cannstatt, aber statt des kranken Sohnes hat sich eineverheirathete Tochter der Familie zugesellt,so kön-nen wir die grünumrankte Veranda und den Rosenflordes malerischen Schweizerhauses doppelt gemessen." DieEisenbahn bringt auch viel Besuch aus Stuttgart; es wirdmit und ohne Caffee im Salon, zuweilen auch in der Kirchemusicirt; Lindpaintner, Dr. Faisst, Lebert, Speidel undHackländer unter den Gästen. Aber auch Kreislerianawerden erduldet.

Im Stuttgarter Theater findet eine Fest-Vorstellungfür einen' hohen Gast, den König von Preussen statt.Kücken dirigirte Adam's abgedroschene OperGiralda",Fräulein Geishard, Schütky, Sontheim, sonst tüchtigeSänger, gefielen sich leider im Tremuliren." Auch imCannstatter Theater ist eine Fest-Vorstellung. Lind-paintner dirigirte Monsigny's OperDer Deserteur", 1776componirt.Bei der Vorstellung desNordstern" fand ichdie russischen National - Melodien geschickt übertragenund Riehl hat Recht, wenn er sagt, dass Meyerbeer esunter allen anderen Componisten am besten versteht, vonvermehrten Blechinstrumenten Gebrauch zu machen. Wirhörten auch eine recht befriedigende Aufführung desMessias" mit Neukomm, der uns hier besucht; die Orgelunter den künstlerischen Händen des Dr. Faisst." Neu-komm componirte damals die 30 geistlichen Lieder ausBunsen's Gesang- und Gebetbuch. Moscheies componirtfür die Clavierschule von Lebert und Stark seine grosseTerzen-Etüde in Es-dur, schreibt auch manche Lieder. ImSeptember kehrt die Familie in ihre Heimath zurück.

Ein musikalischer Herbst in Leipzig ist in keinerWeise mit dem Herzschlag einer Londoner Saison undseinen fieberhaften Wallungen zu vergleichen. Er ist,was die Orchesterwerke betrifft, ein gesund normaler Puls,dessen Aufregung zwar bis zur Begeisterung steigen, abernie darüber hinausschweifen darf. Solche Musiker, welchedas Gewandhaus mit seiner Vergangenheit und Gegen-wart zopfig nennen und ihm eine vielversprechende Zu-kunft eröffnen möchten, bewerben sich um eine Aufführung