Druckschrift 
2 (1873)
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

---- 208 ----

zerstören, um sie auf die neue Art wieder stechen zulassen? Und doch wollte er mir dies Verfahren plausibelmachen! Ein musikalisch Verirrter."

In einem Brief Moscheies' heisst es:Was geht nichtAlles in der Welt vor! Halm und der Schulmeister Bacherlstreiten sich um den Fechter von Ravenna; Lutze undBock treten als Fechter in der Medicin gegen einanderauf, die Azteken mit ihren Vogelgesichtern werden be-stritten; man sagt, sie seien nur verkappte Cretins, keineunbekannte Menschenrace, und auch in der musikalischenWelt cursirt eine Anekdote ob wahr oder unwahrweiss ich nicht, die etwas unharmonisch klingt. Liszt,heisst es, Hess neulich zu Ehren von Litolff und BerliozTannhäuser ansetzen und lud auch Beide zur Probe ein.Dort langweilten sie sich und zogen die Gemüthlichkeiteiner Flasche Wein imErbprinzen" vor. Als Liszt siedabei antraf, gab es derbe Worte hinüber und herüber,und endlich behauptete dieser: Ihr Beiden zusammengenommen, macht noch nicht einen Wagner!" MögeGott mir verzeihen, wenn ich Euch da etwas Unwahreserzählt habe! Meine harmonische Neuigkeit nach all'diesenDissonanzen ist die Erscheinung von Julius Stockhausen.Wenn ich sage, man merkt seinem Gesang deutlich an,dass er der Sohn seiner Mutter ist, so mache ich ihm eingrosses Compliment, und das verdient er. Seine Aus-sprache und Stimmbildung sind tadellos und er erwärmteunser wenig demonstratives Publikum bis zum enthusiasti-schen Applaus und Her vor ruf, uns entzückte er ganzbesonders an einem Abend bei uns, wo er und Frau Fregenicht müde wurden, einander Mendelssohn'sche Lieder zugegenseitiger Bewunderung vorzusingen."

Ein kurzer Aufenthalt der Familie Moscheies inHeidelberg bringt unter vielseitigen Genüssen auch einfreundliches Wiedersehen mit der dort angesiedelten Fa-milie Bunsen, mit dem Freunde Neukomm, endlich mitJoachim, dem Moscheies oft und stets gern musikalischbegegnet.

Von Heidelberg geht es wie im vorigen Jahre nach