Publikum dann nicht begeistert thun, so höre ich Klagengegen unsere kalten Leipziger und entschuldige sie mitder nordischen Lage ihres Landes. Der seelenvolle hoheSopran der Fräulein Hiller enthusiasmirte Alles, wasdeutsche Musik liebt. Fern sei es von mir, einer Grisi,einem Rubini zu nahe treten zu v/ollen; sie sind grosseKünstler; nur sollen sie in der italienischen Oper bleiben;dorthin gehören sie. Wenn aber Sänger und Instrumen-talisten ihre Unarten nachahmen und fortpflanzen wollen,wenn sie auch tremuliren, kopfschütteln und Augen ver-drehen , dann kann ich nur mit Achselzucken auf sieherabsehen. Die deutsche Schule muss unverfälscht aufihrem eigenen Werth beruhen; bilden wir unsere Stimmenzu schönem Einklänge heran, ahmen wir als Instrumen-talisten den Melodien-Reichthum eines Beethoven, einesWeber und Andrer nach." Beide, Stighelli und Marchesisangen mit Beifall, und für Letzteren componirte Mo-scheies eine Meditazione und eine Barcarole. Was ihnaber Moscheies ganz besonders zum Freund machte, war,dass er trotz seiner sicilianischen Abkunft ein aufrichtigerVerehrer klassischer Musik war *). Einmal beschreibt Mo-scheies einen heitern Abend und endet mit den Worten:„Die Lustigkeit nach dem Souper nahm so zu, dass Davidund ich abwechselnd den Rhythmus zum Tanz trommelten,aber auch abwechselnd mittanzten." „Auch die Sonntagerschien in diesem Winter in Leipzig", schreibt Moscheies,„etwas älter, etwas weniger sylphidenhaft, aber anmuthig,gut und anspruchslos mit wohlerhaltener Stimme undtadelloser Kehlfertigkeit. Der wachsende Enthusiasmusfür sie schüttelt die Leipziger durch und durch, es ist einWonnerausch, eine Reihenfolge von Ovationen mit obli-gatem Fackelzug der Pauliner. Wir haben sie in allenihren Vorstellungen gesehen; die Stimme genügt voll-kommen für unser kleines Haus und immer noch kann siewie in früheren Jahren von ihrer Kehle sagen: 's mussg'schmiert geh'n wie a Kuglhupf. Man soll zwar nicht
*) Seitdem hat er sich in der Kinderwelt durch seinen „kleinenHans" grosse Anerkennung erworben.