Druckschrift 
2 (1873)
Seite
220
Einzelbild herunterladen
 

220

1851.

Das Tagebuch wirft am i. Januar einen Rücklick aufdas vergangene Jahr:Dankbar für den Besitz der ge-liebten Meinigen, für manche überstandene Krankheit, fürdie andauernde Arbeitsfähigkeit .... in dieser Stimmungwar das Concert erhebend. Ein' feste Burg" vonJ. S. Bach, ein grosses contrapunktisches Werk; dieOboen, Trompeten und Posaunen hier und da effectvollvon Rietz verdoppelt; Mendelssohn's 95. Psalm gross undschön, mit einem merkwürdig pathetischen Canon in C-moll.Die ganze Aufführung ein würdiger Jahres-Anfang."

Wir führen hier einige Urtheile an, die Moscheiesgelegentlich fällte: z. B. über die Schubert'sche C-dur-Symphonie.Schöne Motive und Verarbeitung, aber mirzu oft wiederholt; mit der Hälfte würde der doppelteEffect erreicht."Die Haydn'sche Symphonie war wiederfrisch und gesund, ohne dämonisches Element."Schondie Probe der Antigone riss mich zur Bewunderung hin(was die Musik betrifft); für den Concertsaal finde ich siewenig geeignet."Mendelssohn's Finale zur Oper Lore-lei ist hinreissend schön, schauerlich, dramatisch, melodisch,Alles edel, sogar die grosse Trommel hier veredelt. Derallgemeine Eindruck war elektrisch und selbst die Ver-fechter einer neuen Richtung bis zum Applaus begeistert,während sie doch sonst Mendelssohn und seine Schöpfun-gen als veraltet erklären möchten. Sollte dies Bruchstücknicht auf die Bühne kommen, so wird es durch seine Ge-diegenheit und Innigkeit stets von Werth für den Con-certsaal bleiben, eine Zierde des Mendelssohn'schen Nach-lasses."Beethoven's 9. Symphonie riss die Zuhörer imSturm ihrer Leidenschaft mit sich fort. Die Ausführungbegegnete kampflustig allen Schwierigkeiten und der Siegwar glorreich.Freude schöner Götterfunken" erglühtein Aller Herzen. Die Sachen waren aber auch unterRietz' Leitung mit David als Concertmeister möglichstfleissig und mit strengster Gewissenhaftigkeit einstudirtworden."