Druckschrift 
2 (1873)
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

205

stiess, die ich in seinem Auftrage zu seinem Freunde, demPrälaten trug. Endlich will ich die Kinder mit den nochlebenden Verwandten und mit den SehenswürdigkeitenPrags bekannt machen." Nach Leipzig zurückgekehrt,finden wir, dass Moscheies Dessoir's Gastspielals echtkünstlerisch geniesst", noch mehr aber Spohr's Anwesen-heit. Ein Brief sagt:Er spielte im Voigt'schen Hause,diesem Sammelplatz für gute Musik, sein Quartett in C-durund Doppelquartett in G-moll, Beides aus den Probe-drucken. Die Composition interessant wie immer, aberauch Spohr wie immer; das Spiel noch edel und frisch. Im Conservatorium empfingen wir ihn vor seiner be-kränzten Büste; er spielte Mehreres, brachte den Restdes Abends bei uns zu, und mitten in unsere Musik hineinerscholl ein Ständchen, das ihm unsere Schüler und Schü-lerinnen brachten."Ein kurzer Besuch von Cecile (Men-delssohn) auf ihrer Durchreise brachte unvergessliche Er-innerungen. Ich musste ihr den Marsch aus Athalia vor-spielen, seine Büste sah auf uns herab, und sie danktemir mit einem stummen Händedruck."Kullak be-suchte mich, spielte mir vor und bewährte sich als kräf-tiger, solider Künstler."

Eine Krankheitsnachricht aus London veranlasst FrauMoscheies, ihrer Tochter zu Hülfe zu eilen. Dorthinschreibt er ihr:

Leipzig, 12. Juli.Dein eben aus London angekommener Brief, der mirin's Conservatorium nachgeschickt wurde, versetzte michin eine so gute Laune, dass ich hinterher alle falschenNoten, alle schlechten Fingersetzungen gut hiess. . . . Ichlas heute in der Times den Triumph unserer alten, nochjugendlichen Freundin Henriette Sonntag, Du wirst siehoffentlich hören und sprechen; ein süsses Vergnügen.Ich habe ein Lied von unserm Hausherrn (LegationsrathGerhard) componirt, dasSchmetterling und Liebchen"heisst. Er meinte, es solle ein Gegenstück zu meinerBotschaft" werden. Der Text ist poetisch und heimeltmich an; Du wirst sehen, ob ich's so gut getroffen habe,