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90er Jahre! Freitag Abend hörten all' unsere Bekanntenund wir auch die Debatten des hiesigen Deutschen Ver-eins. Laube, eben aus Wien gekommen, sprach gut überdie dortigen Zustände, Flathe schlug Auswanderung alseinziges Hülfsmittel vor, um der Volksnoth zu steuern,Zestermann vertheidigte die Zittauer, seine Landsleute,deren Patriotismus man hatte verdächtigen wollen; dasAlles ging unter Cigarrendampf vor sich; schlecht für dieDamen, aber besser als Pulverdampf." „Mitten in die bösePolitik hinein", schreibt die Frau, „bringen Kunst undBeruf ihre Tröstungen; letzterer in den Vorbereitungenzur Schüler-Prüfung. Abends vergeht uns manches Stünd-chen angenehm am Ciavier." „Wenn ich spiele, vergesseich Alles", sagt Moscheies, „aber freilich zum Componirenkann ich mich in jetziger Zeit nicht sammeln. Die Naturbringt aber auch ihre Tröstungen. Sieht man. wie wir,bei unserer sonntäglichen Fahrt nach Lützschena dieSchönheiten dieses Parkes, so wächst das Zutrauen zuGott, der Alles so herrlich gemacht hat. Die zweihundertalten Bilder der dortigen Galerie gaben uns Geistesnahrung -und Genuss, dann besuchten wir mit Freude die Muster-wirthschaft des Gutes. Ja, es giebt noch schöne Winkelauf unserer Erde, und ich schliesse mich gern allen denHoffnungen an, die uns die Freiheit nach überstandenemElend verspricht. Möchten wir bald ihren Triumphzugsehen, wie wir das Auf- und Abtreten von Königen und Mi-nistem gesehen haben."
Frau Fregg giebt ein Concert zum Besten der noth-leidenden Arbeiter mit Hinzuziehung vieler Künstler —auch Moscheies wirkt mit. Es fällt brillant aus, und dader Kammerrath Frege grossmüthig die Kosten von.200 Thlr. übernimmt, so bleibt eine reine Einnahme von640 Thlr. für die Fabrik-Arbeiter. Ein Brief Moscheies'sagt nach einer Aufführung von Beethoven's neunter Sym-phonie: „Mein Entzücken war gross. Sie entfaltete mirneue Herrlichkeiten. Es traten Einzelnheiten und Effectehervor, die ich trotz aller Mühe und allem Fleiss mit demLondoner Orchester nicht erreichen konnte. Die Instru-