25. März 1848.
„Schon bist Du sechs Stunden fort; es ist Zeit, dassich ein wenig mit Dir plaudere, damit Dich diese Zeilenim Kreise der Unsrigen begrüssen. Sieh zu, dass Duihnen etwas von unserer sächsisch-politischen Besonnen-heit und meinem selbstbeherrschenden Gleichmuth bei-bringst. Ich hofle, Deine Gegenwart ermuthigt sie dieherben Zeitereignisse mit Standhaftigkeit und Vertrauenauf Gott zu ertragen. Wenn Du nicht helfen kannst,wirst Du sie gewiss angenehm zerstreuen und somit wäreder Zweck Deiner Reise erreicht. Eben unterbricht michein neuer Clavierspieler A., ein halber Engländer, vonSchnyder von Wartensee empfohlen. Er klopfte meinCiavier ein bischen durch und machte mich mit einigenneuen schlagenden Effecten bekannt; sich möchte er hierbekannt machen." . . .
Sonntag, 26. März 1848.
. . . „Cecile bat mich gestern, die eben corrigirten Or-chester-Stimmen von Felix' A-dur-Symphonie zu revidiren,weil sie vielleicht im letzten Concert gegeben werden soll.Ich bin auch im Theater gewesen, eine neue Oper zuhören; aber sie fiel durch. Die Musik war so alltäglichschlecht, dass sie mich sogar im Schlaf störte; besservielleicht, dass ich zu keiner Ruhe kommen konnte, dadas Theater doch nicht zum Schlafen gemacht ist. Prof.G. würde gesagt haben: die Composition entspricht demZeitgeist nicht. David sah mich vom Orchester aus inden drei Entr'acten betrübt an; ich bemitleidete ihn. . . .Robert Blum vom Arbeiter-Verein, den das Tageblatt alssehr vernünftig rühmt, zum Abgeordneten beim Parla-ment erwählt, nahm es freudig an." . . .
Nachts 11 Uhr. „ Heute früh schrieb ich Dir undjetzt beginne ich meinen Brief für morgen, da dasConservatorium morgen nicht viel Zeit lassen wird.Wir assen behaglich bei David mit Gade und Coss-
mann und tranken auf Deine Gesundheit......
Alle Bekannten fragen nach Dir, ich habe durch meinStrohwittwerthum allen Glanz verloren. Im Museum fand