— i8i —
■schlag. Die Angst und Sorge der nächsten Tage lässtsich nicht beschreiben, die ganze Stadt theilt sie mitVerwandten und Freunden. Noch einmal tritt eine schein-bare Besserung ein, bald aber spricht er in grosser Er-regung englisch und am 3. November 7*3 Uhr Nach-mittags tritt der dritte Schlaganfall ein und umnebeltseine Sinne gänzlich. Das ausgelegte Bulletin wird be-lagert, die Nachrichten, die es bringt, wissen nichts vonBesserung. So kommt der 4. November heran. Geben,wir Moscheies' eigene Worte, wie er sie am Morgen desverhängnissvollen Tages in Mendelssohn's Wohnungschrieb: „Natur, verlangst Du Deine Rechte? Engel,deren Heimath die himmlischen Sphären sind, wollt IhrEuren Bruder, den Ihr als Euer eigen betrachtet, den Ihrzu hoch zum Verkehr mit uns gewöhnlichen Sterblichenhaltet? Noch besitzen, noch umklammern wir ihn, wirhoffen auf die Gnade Gottes, den noch länger unter unszu lassen, der uns stets als ein Muster alles Edlen undSchönen geleuchtet hat, der unser Jahrhundert ziert! Dir,o Schöpfer, ist es bewusst, warum, wie so Du in dieserSeele Schätze des Geistes und Gemüthes angehäuft hast,die die zarte Hülle seines Körpers nur auf beschränkteZeit tragen, die sein Dasein zu verkürzen drohen! Kannunser' Flehen uns den Menschen, den Mitbruder von Direrbitten? Welches Werk hast Du in ihm vollbracht! Duhast uns gezeigt, wie hoch sich der Mensch zu Dir er-heben, wie er sich Dir zu nähern vermag! Keiner ist Dirnäher gekommen, als er, für den wir zittern. Lass ihnauch den irdischen Lohn gemessen, lass ihn die Liebeseiner Lebensgefährtin, die Entwickelung seiner Kinder,die Bande der Freundschaft, die Verehrung der Welt ge-messen!" — —
Mittags. „Die Aerzte Dr. Hammer, Hofrath Clarus,der Chirurg Walther sind abwechselnd um den Kranken;das von Schleinitz geschriebene Bulletin erklärt den Zu-stand hoffnungslos. Herr und Frau Dr. Frege, David,Rietz, Schleinitz, meine Frau und ich bleiben angstvoll inder Nähe des Krankenzimmers. Die Aerzte sprechen die