— 180 —
weh, an dem er den folgenden Tag litt, wurde vom Arztmit Blutegeln behandelt; er hielt es für ein Magenleidenund erklärte es erst viel später für einen überreiztenNervenzustand. Mir war schon lange Zeit — noch vorFanny's Tode — seine Blässe beim Dirigiren und Spielenaufgefallen — Alles griff ihn mehr an, als früher." EinSchrecken durchflog die Stadt, die Freunde zitterten, alsdie Kunde seiner Krankheit erscholl, glaubten aber wiederan seine dauernde Besserung', als er anfing, sich zu er-holen.
„Am 15. October", sagt das Tagebuch, „Hess er sichviel über Hiller's Oper von mir erzählen, deren gute Auf-nahme ihn herzlich erfreute." Dieser „Conradin, der letzteHohenstaufe" war am 13. zum ersten Mal in Dresdenaufgeführt worden. Moscheies, David und Benedict, letz-terer eben aus London gekommen, waren zusammenhinübergefahren, um die Zahl der theilnehmenden Freundezu vermehren, die das Haus brillant füllten. Das Tage-buch sagt: „Es ist ein verdienstvolles, schönes "Werk undHiller fand auch verdiente Anerkennung, indem er wieder-holt gerufen wurde. Die Musik ist leidenschaftlich, wahrund edel. An Cantilenen und rhythmisch klaren Phrasenist jedoch Mangel, welches der Popularität des Werkeshinderlich werden könnte. Fräulein Wagner und Tichat-schek waren vortrefflich, Chore und Ensembles sehrgut."
In den nächsten Tagen wird Mendelssohn von seinenFreunden besucht, ist guten Muthes und macht Pläne überPläne. Sogar nach Wien wollte er reisen, um versprochener-massen seinen Elias zu dirigiren, doch reden ihm dieFreunde von dieser Anstrengung ab. Zu Frau Frege, dieihn besucht, sagte er: „Na, Sie mögen über mich schönerschrocken sein, denn ich muss munter ausgesehen haben."Der Genesende fühlt sich immer wohler, darf am 28. einenSpaziergang mit seiner Frau machen, verspürt sogar Lust,noch einmal auszugehen; die vorsorgliche Frau beredetihn, lieber der Ruhe zu pflegen, er willigt ein. Aber ach!gleich darauf sinkt er zusammen. Man nannte es Nerven-