Druckschrift 
2 (1873)
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

i77

Bitte war nicht zu widerstehen und so ward aus dem, Jadis et aujourd'hui" les Contrastes, womit der Freundsich einverstanden erklärte.

Lassen wir nun wieder das Tagebuch sprechen, am3. October:Nachdem Mendelssohn's mit uns gegessenhatten, unterhielten Felix und ich uns am Ciavier mit Fugenund Giguen von Bach; dann aber ahmte er, vortrefflicheine Polka der Frankfurter Stadtmusikanten nach, die er zuseinem Verdruss hatte unzählige Male hören müssen." . . .

Am 5. October.Den ganzen Nachmittag bei Men-delssohn bei freundlichster Aufnahme und gemüthlichenMittheilungen über hiesige Kunstverhältnisse. Er spieltemir sein letztes Quartett vor; alle vier Stücke in F-moll.Der leidenschaftliche Charakter des Ganzen und diedüstere Tonart scheinen mir ein Ausdruck seines tief-erschütterten Seelenlebens; er kämpfte noch mit demSchmerz über den Verlust seiner Schwester. Auch einigeManuscript-Lieder zeigte er mir. Alles gemüthlich, wennauch nicht immer originell."

Am 7. October.Mendelssohn holte mich zum Spa-ziergang ab; obgleich es regnete, wandelten wir unterden interessantesten Gesprächen im Rosenthal. Die Zeitverfloss köstlich."

Am 8. October.Prüfung im Conservatorium. Men-delssohn schrieb mit Kreide Generalbass - Exempel, alsProbestein für die Schüler, auf eine Tafel; während diesesie ausarbeiteten, skizzirte, er reizende Landschaften mitder Feder. Ein stets schaffendes Genie!"

Nachmittags und Abends waren wir in seinem Hause.Er spielte mit Rietz seine D-dur-Sonate mit Cello und diebeiden Beethoven'schen Op. 102, mit mir meine Sonatesymphonique, ich mit E. les Contrastes."

Am 9. October holte Mendelssohn Charlotte und michzum Spaziergang ab; wir sahen ihn matt und langsamdurch den Garten in's Haus kommen. Auf die theil-nehmende Frage meiner Frau, wie es ihm gehe, antworteteer:Wie es mir geht? Grau in grau geht es mir." Sietröstete, dass das sonnige Wetter, der Spaziergang ihm

Moscheies' Leben. II. to