Druckschrift 
2 (1873)
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144 -

Saal, das Babel seinem Schicksal überlassend. In allenTheilen des grossen Locals treten Parteien zusammen unddurch ihr Toben wusste man nicht mehr, um was es sichhandelte. Die französischen und englischen Journalistenmischen sich mit Klagen über Vernachlässigungen allerArt Seitens des Fest-Comite's in diese Wortschlacht. Alsder Tumult an Thätlichkeiten grenzt, kommt der Wirthauf die gute Idee, die Musikbande aufspielen zu lassen;dies übertönt die Schreier, die sich auf den Hof zurück-ziehen; die Kellner serviren wieder, manche Gäste, beson-ders Damen, haben den Saal geräumt. Die streitendenGruppen im Hof zeigten ihre zügellose Unverschämtheit undlächerliche Selbstsucht. Vivier und einige Franzosen nahmenLiszt in ihre Mitte und machten ihm die schmählichstenVorwürfe: G. lief .von Partei zu Partei' und schürte dasFeuer; Chorley war von einem französischen Journalistenangegriffen worden. Mr. J. J. wollte in dem englischenGentleman Wentworth Dilke einen Deutschen sehen, derihn vernachlässigt hätte; ich trat zwischen Beide, umwenigstens diese ungerechte Controverse zu enden. Ueber-haupt versuchte ich die geistig Blasirten zu versöhnenund hielt Leichenreden über die in Wortschwall Unter-gegangenen. Ich selbst blieb schussfrei und neutral; eben-so meine Wiener Freunde. Um 6 Uhr Abends verliess ichbetäubt den Schauplatz des Skandals, der mir in denOhren nachhallte. Zum musikalischen Kaffee bei der GräfinAlmäsy, aber nicht auf dem Festball, sondern lieber diesgeschrieben und ein paar Stunden mit Fischhof verbracht,,der mir seineTheorie des Transponirens" zeigte. . . ."

Es giebt ein altes französisches Scherzgedicht:Vousm'envoyez le lendemain un billet date de la veille." EtwasAehnliches sollte Moscheies zu Ende des Bonner Musik-festes erfahren. Ihm war keine Einladung von Meyerbeeroder Liszt zu den Hofconcerten in Stolzenfels und Coblenzgemacht worden, zu denen manche seiner Kunstbrüderauf circulirenden Listen befohlen wurden; er reiste da-her am 14. nach Cöln, traf dort mit seiner Familie zusam-men, widmete zwei Tage den Schönheiten des Doms und