Druckschrift 
2 (1873)
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

i 4 o

mung aus und in den Concerten herrschte Zufriedenheilund Anerkennung. Im letzten derselben spielt er dasBach'sche D-dur-Concert und freut sich über die im Or-chester erzielten Piano's.Mit der Zeit wollte ich mir diebraven geschickten Leute schon zu mehr Schatten undLicht heranbilden."

Dann reist Moscheies zum Musikfest nach Bonn undschreibt seiner Frau von Cöln aus:

Das Wetter mürrisch, glich meiner Stimmung, denndie Trennung hat mich aus dem Gleichgewicht gebracht.Meine Philosophie muss helfen. . . . Meyerbeer habe ichhier besucht und ihn allein mit Pischek getroffen. Aller-seitiges Küssen war der Anfang, viele Fragen nachDir die Folge, dann Festangelegenheiten. Meyerbeerbrennen die Haare auf dem Kopf, denn von morgenan muss er hier in Cöln die Proben der Hofconcertehalten. Alle grossen Vocalsachen sollen ohne Orchester,nur mit Clavierbegleitung gegeben werden. Zwischen denProben will Meyerbeer die Aufführungen in Bonn mitan-hören.....'

Am 10. August kommt er in Bonn an und schreibtNachts ii Uhr der Frau:

. . . . Im Hotel de l'etoile d'or, dem Sitz aller ge-krönten Musikhäupter braun, grau oder kahl allerperükkirten oder lackirten Schädel, dem Versammlungs-orte aller musik-verrückten Damen, alt und jung allerKunstrichter, aller deutschen und französischen Rezensen-ten und englischen Reporters, endlich des vermögeseiner fürstlichen Gaben, Alles überstrahlenden Lisztschreibe ich Dir. Kaum angekommen, traf ich Dr. Bacheraus Wien, den Abgesandten des österreichischen Musik-vereins , der mir gleich anbot, sein bestelltes Zimmer mitihm zu theilen; ein unschätzbarer Freundschaftsdienst,denn es sieht in den Strassen aus, wie nach einem gros-sen Brande, wo Jeder nur wieder unterzukommen sucht.Herren und Damen, darunter viele Engländer, mit einemGefolge von Packträgern und Koffern jammern und bet-teln um ein Unterkommen in Hotels oder Privathäusern,