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■ „Aachen, Montag 5. October 1840.Hotel zum grossen Monarchen, Abends 11 Uhr.
Wir haben uns den ganzen Tag nicht gesprochen,sage ich mir selbst, so muss es doch vor dem Schlafen-gehen sein! So geschieht es ja nur zu oft in London.Heute Morgen in Lüttich habe ich Dir in meinem zwei-ten Brief Adieu gesagt und nun schreibe ich Dir meinendritten. . . . Mendelssohn's "Wagen wurde erst um 12 Uhrfertig, so konnten wir vorher noch einige Kirchen besehen.Die Reise ging ganz vergnügt von Statten und obgleichuns einige Regenschauer begleiteten, genossen wir dochdie üppig schöne Gegend und sassen traulich und bequembeisammen. Um 7 Uhr an der preussischen Grenze ging'suns unerwartet gut. „Die Herren haben wohl nichtsSteuerbares bei sich?" Und auf unser nein: „Fahr' zuPostillon." Wir müssen also gentlemanlike ausgesehenhaben. Um 8 Uhr kamen wir in diesem vortrefflichenGasthof an, ich lief gleich zu Mayer's, wo mich die Frauin ihrem neuen schönen Hause mit offnen Armen empfing,sie hat sich gut erhalten und spricht so herzlich und ver-gnügt wie immer. Im Gasthof beim Souper mit Mendels-sohn und Chorley kamen Wiedersehens-Scenen und Her-zensergiessungen verschiedener Art. Erst Ole Bull, dergestern mit dem Sänger Eicke hier Concert gegeben hat,beide gesellten sich zu uns; dann Mayer, der mich bei-nahe in ,seinen Armen erdrückte. Mendelssohn erfreutesich an seiner Herzlichkeit und fand in ihm einen gutenBekannten seiner Familie; auch er soupirte mit uns. Dannkommt eine lange hagere Gestalt im Don Quixote-Genre,die mich umarmt — es war Schindler. Er grüsst Mendels-sohn, der ihn auch freundlich: ich sah, was er dabei un-terdrückte. Nun setzt auch der sich zu uns.
An Chorley stellte ich Schindler absichtlich nicht vor,gab ihm nur einen geheimen Wink, dass er den grossenBiographen vor sich habe; diesem sagte ich, der Englän-der sei unser gemeinschaftlicher Freund. Nun entstand einWirbel von Fragen, Erinnerungen an alte Zeiten, leiden-schaftliche Ergiessungen über die jetzigen Musikzustände