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„Lüttich, Sonntag Abend 4. October 1840.Hotel du Pavillon anglais.
Heute früh 7 Uhr, ehe wir Ostende verliessen, über-gab ich dem Wirthe meinen ersten Brief für Dich; diePost war noch geschlossen, als ich ihn selbst hintragenwollte. Unsre Reise ging vortrefflich bei Sonnenscheinvon Statten; ich hatte viele, vertrauliche Gespräche mitMendelssohn; wir haben uns gegenseitig manche Detailsüber unsere Freier - Zustände mitgetheilt, wo und wie eszu unsern Heiraths - Anträgen kam und endlich, wie wirKeiner unsere Frau vertauschen möchten. Er rechnetsicher darauf, dass ich acht Tage bei ihnen in Leipzigbleibe, vielleicht ein eigenes Concert gebe oder nur imAbonnements-Concert spiele — ich fasse keinen Entschluss,bis ich angekommen bin."
„Sonntag- Abends 8 Uhr.
Wir Avollten heute Nacht in Aachen schlafen undmüssen statt dessen hier ausharren. An Mendelssohn'sWagen ist die Achse gebrochen und er untröstlich, be-sonders unsertwegen, obgleich wir ihm Muth zusprachen.Er erwartete hier Briefe von seiner Frau und da ich lei-der keinen für mich von der meinigen zu holen hatte, er-bot ich mich für ihn an die Post zu laufen, bildete mirauch ein — bis ich dorthin kam — es sei für mich selbst.Ich brachte ihm richtig einen Brief, der ihn wieder inseine natürlich gute Laune versetzte; der Schmidt hatteden Wagen fortgenommen, mit dem Versprechen, ihn bald-möglichst wiederzubringen; man servirte uns ein vortreff-liches Diner, Chorley schlug vor, einer Champagnernascheden Hals zu brechen, die Gesundheiten der Frau Doctorinund Frau Professorin wurden getrunken und nach Tischeging ich mit Mendelssohn in's Caffeehaus. Dort lasen wirdie Abdication des Königs von Holland zu Gunsten desPrinzen von Oranien, Napiers Einnahme von Beyrut,wobei es, wie ich fürchte, schlecht mit dem 71jährigenMehemet Ali steht; auch Louis Napoleon's Vertheidi-gung von Berryer las ich und jetzt fallen mir die Augenzu. . . ."