Druckschrift 
2 (1873)
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

57

Um 3 Uhr Nachmittags, als der Saal geleert war,spielte er noch vor einigen Auserwählten 3 / 4 Stunden langdie Orgel, nicht als hätte er heute schon Musik gehörtoder dirigirt, sondern als finge sein Tag eben an. Den-selben Abend hörten wir im Theater erst einen Act dergazza ladra von der Caradori und Lablache, dann Men-delssohn's G-moll-Concert, von ihm mit sprudelnder Leben-digkeit und zarten Intentionen gespielt, endlich in seinerGesellschaft, da er sich zu uns gesetzt hatte, Lablache mitseiner unwiderstehlichen Komik in der prova d'un Operaseria. Was doch der musikalische Magen in England aneinem Tage verdauen kann und muss!

Heute früh verlassen wir Birmingham, dort aber hatmir Charlotte einen Plan ausgeheckt, über den Ihr stau-nen werdet. Sie beredete mich, Mendelssohn nach Deutsch-land zu begleiten, um als guter Sohn meine seit längererZeit leidende Mutter zu besuchen. Sie hat grosse Sehn-sucht nach uns und den Kindern, doch liesse sich dieweite Reise mit der ganzen Caravane nicht leicht machen,sie wird für mich allein schon kostspielig sein und ichdenke bei meiner Rückkehr durch verdoppelte Thätigkeitmein flottes Leben wieder einzubringen. Die Kinder könn-ten wir nur Euch, sonst Niemandem überlassen, und sobringen wir Eheleute der guten Mutter dies Trennungs-opfer. Mendelssohn will in London bleiben, bis ich dieMeinigen in irgend einer Landwohnung installirt habe undzur Abreise bereit bin. Ich schreibe Euch vom Conti-nent aus."

Dem Aufenthalt in Birmingham folgen noch glück-liche Stunden mit Mendelssohn in London, und zuletztvereinigen sich die gegenseitigen Freunde zu einem Musik-abend im Moscheles'schen Hause. Mendelssohn spielt diePartitur desLobgesangs" am Ciavier durch und nachandern Stücken wird wieder vierhändig phantasirt, miteinem wunderbarenGemisch von Themen und doch so,als sei Alles harmonisch im Einklang gedacht."

Es wird beschlossen, dass, als Dritter im Bunde, Chor-ley mit den beiden Freunden nach Deutschland reist.