Druckschrift 
2 (1873)
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

fangen. War sie im Moscheles'schen Hause, so widmetensich Alle ganz ihr. Die Kinder betrachteten sie ohneScheu als zu ihrer Gesellschaft gehörend, denn Niemandwusste so reizend mit dem Puppenhause zu spielen alssie, und welcher andere Besuch hatte noch den gewissen,für die Kleinen so anziehenden schwarzseidenen Beutelwie Mme. Malibran? Der Beutel enthielt aber nicht diegewöhnlichen Spiele oder Näschereien, die man Kindernmitzubringen pflegt, sondern einen Malkasten, Papier undPinsel. Gleich beim Eintreten setzte sie sich mit denKindern auf den Teppich nieder, wo sie Alles auskram-ten und besahen, dann wurde gemalt, und das Alles mitLust und Liebe, ja mit Energie. Das Tagebuch sagt am12. Juni:Sonntag begann ich meinen Tag, indem ichGoethe'sMeeresstille und glückliche Fahrt" für die Mali-bran als Lied componirte."

Um 3 Uhr kam sie selbst; auch Thalberg, Benedictund Klingemann. Wir assen früh, und gleich nach Tischesetzte sich die Malibran an's Ciavier und sangfür die Kin-der", wie sie es nannte, denRataplan und spanische Liederihres Vaters, wobei sie die fehlende Guitarrenbegleitungdurch rhythmisches Klopfen an das vordere Ciavierbrettersetzte; dann folgten viele französische und italienischeRomanzen ihrer eigenen Composition alle wunder-hübsch, alle mit Grazie, Lieblichkeit und Virtuosität vor-getragen. Thalberg löste sie ab, um allerlei Spässe amCiavier zu machen, Wiener Lieder und Walzer mit obli-gaten Schnippchen, und dann kam ich mit meiner verdreh-ten Hand und meinen Faustschlägen, wobei Niemand herz-licher lachte, als die Malibran. Um 5 Uhr fuhren wir inden Zoologischen Garten und drängten uns eine Stundelang mit den fashionables, deren Sonntags-Promenade erist. Als wir uns an Menschen und Thieren satt gesehen,machten wir noch eine Runde im Park; kaum aber wie-der zu Hause angelangt, so sass die Malibran auch amCiavier und sang eine Stunde lang. Dann endlich rief sieThalberg und sagte:venez jouer quelque chose, j'ai besoinde me reposer." Ihr repos aber bestand darin, dass sie