und zieht die Aristokratie Londons an, wenn sie mit äus-serster Feinheit ihre in Paris berühmt gewordenen Dramenspielt." Später gab man auch französische Opern in die-sem Hause, in denen die liebliche Cinti und der berühmteTenorist Nourrit glänzten, letzterer ganz besonders in der„reine de 16 ans" und „la jeunesse de Charles II." Einmalmusste auch Moscheies dort in einem Concert im Vereinmit der Malibran und anderen Grössen auftreten. DasConcert, nach der Oper begonnen, zog sich bis Mitternachthinaus. — Balfe producirt seine Erstlingsoper „the siegeof Rochelle" mit grossem Beifall. „Die Musik ist leicht,wie das Wesen des Componisten, aber auch heiter undansprechend wie er". Für die Malibran schreibt er „themaid of Artois". Sie, im Englischen wie im Italienischen,im Französischen wie im Spanischen zu Hause, war dies-mal als englische Primadonna im Drurylane-Theater en-gagirt. „Hatte Balfe ihr die unglaublichsten Passagen anUmfang und Schwierigkeiten zugemuthet, hatte sie selbstsie improvisirt? Ich weiss es nicht", steht im Tagebuch;„genug, sie zauberte sie aus ihrer Kehle hervor." — „ImFidelio", heisst es später, „befriedigt sie mich weniger undich ziehe unsere unübertroffene Schröder - Devrient darinvor. Die Leidenschaftlichkeit der Malibran steht im Wider-spruch zu dieser ausdauernden Gattenliebe und warumsie zwei Pistolen mit in den Kerker bringt, das weissauch Niemand."
Der verlängerte Aufenthalt der Malibran in Londonbrachte sie zuletzt in die intimsten Beziehungen zu demMoscheles'schen Hause, das sie oft besuchte.
Mit dem kühlen, um nicht zu sagen kalten de Be-riot verheirathet und gewöhnlich mit ihm zusammengesehen und gehört, trat ihr sprudelndes Genie, ihre nieermüdende Lebendigkeit, ihr heiterer Sinn mit seinenPossierlichkeiten, ganz besonders hervor; sie fesseltenicht wie andere grosse Sängerinnen durch ihre Kunst,wie andere geistreiche oder liebenswürdige Frauen durchihr Wesen oder ihre Unterhaltung: nein, sie nahm alleSinne auf Einmal, dazu das Herz und den Verstand ge-