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„Kistner begleitete mich zu dem lieben ehrwürdigen Greise,Hofrath Rochlitz; dieser empfing mich äusserst freundlich,und war sehr mittheilend; nachdem er sein Interesse anmeinem jetzigen Besuch, an meinem Spiel, und meiner.Compositionen ausgedrückt, recapitulirte er die verschiedenenEindrücke, die ich ihm, seit meinem ersten Erscheinenmit dem Alexandermarsch im Jahr 1815 hinterlassen, undsagte mir viel Schmeichelhaftes über meine Entwickelungin der Kunst; er war mir ebenso interessant wie seineAufsätze für Freunde der Tonkunst, die wir so gernelasen. Gegen Abend ging ich wieder zu meiner Mutter,die eben ihre Gebete aus dem mir wohlbekannten Fami-lienbuch beendet hatte. Ich leistete ihr ein StündchenGesellschaft, und machte sie sehr heiter durch Erzählungenaus unserm Leben. Dann ging ich zu Felix (Mendelssohn),der mich für heute und jeden Abend zum Thee gebetenhat; es ist recht gemüthlich bei ihm, und rief mir meineJunggesellenwirthschaft zurück. In der Mitte des Zimmerssteht sein Erard, in einem Bücherkasten sein schön einge-bundener Händel und sein Partituren-Reichthum, aufeinem Tische sein silbernes Tintenfass, Geschenk derPhilharmonischen Gesellschaft, an der Wand zwei reizendeKupferstiche, Titian's Tochter und das Portrait der Schätzel,auf dem Clavier eine liebliche Unordnung von Partiturenund Novitäten — aber übrigens Alles nett und rein. Wirtranken Thee und plauderten, bis der Advokat Schrey(einer der Concertdirectoren) sich zu uns gesellte. Dieserist Musikenthusiast, hat eine herrliche Tenorstimme undsang ein paar neue Lieder von Felix, die vortrefflich sind.Ich hoffe sie Dir abgeschrieben mitzubringen. Ich spieltemein Concert fantastique und das pathetique, und hörteviel Angenehmes darüber, dann Felix' mir dedicirtes Rondo.Mit ihm spielte ich vierhändig meine Ouvertüre und seinOctett; das ging wieder wie geschmiert — Du kannst Dirdas am Besten denken. — So wurde es 11 Uhr und erlieh mir seinen Mantel, damit ich im Nachhausegehen —nach den vielen heissen Noten — mir keine Erkältungzuzöge. Er ist ein herrlicher Mensch. Apropos, Felix