— 287 —1835.
Das Jahr beginnt mit der alljährlichen Reise nachBath. Der Erfolg des dreitägigen Aufenthalts ist der ge-wöhnliche; eine reiche Erndte von Lob und Guineen.Wiederum finden ferner die alljährlichen Probeabende neuerCompositionen in der Philharmonischen Gesellschaft statt.Spohr's „Weihe der Töne" wurde von Sir G. Smart diri-girt. „Dieser meinte", erzählt Moscheies, „er könne daschronische Uebel englischer Orchester, den Mangel angenügenden Proben, durch eine Anrede an seine musika-lische Armee, den Commandostab in der Hand, beseitigen.„„Die Deutschen"", sagte er, „„haben unzählige Probengebraucht, um dies schöne neue Werk aufführen zu kön-nen; sehen wir, was wir schon in dieser einen Vorprobewerden leisten können."" Hierauf brach der englischeNationalstolz in das hergebrachte „Hear! hear!" aus, unddie Musik begann; das Werk wurde auch richtig her-untergespielt, nur von Nuancen war keine Rede. Ichfolgte in der Partitur, erfreute mich an der Gediegenheitdes Ganzen, sowie an seinen einzelnen Schönheiten; fandjedoch die bekannte Form und Farbe Spohr'scher Musikzu vorherrschend, um mich zu begeistern. Zünden kannnur erfindungsreiche Genialität. Das Andante mit seinengemischten Taktarten — 3 /s und 9 / X 6 — blieb auch in derProbe des ersten Concerts ein Stein des Anstosses; dieeine Vorprobe und der britische Nationalstolz hatten nichtausreichend gewirkt, und bei der Aufführung ging's, wennauch besser, doch gewaltig steif und holprig. Die Mo-zart'sche Symphonie in D war schön in ihrer classischenEinheit. Mendelssohn's Hebriden-Ouverture litt leider anschleppendem Tempo; der vierundsechszigjährige J. B. Gra-mer aber machte mir Freude durch seinen zarten Anschlagund seine geperlten Läufe, wenn ich auch das markige Ele-ment in seinem Spiel vermisste. Leider war es wiedereine Geschmacklosigkeit, dass er das erste Stück und An-dante seines eigenen C-moll-Concerts mit dem letzten desMozart'schen gleicher Tonart vortrug. Die Stockhausen