— 273 —
lauben, ihm vorzuwerfen, dass er gestern als ein störenderBesuch zu ihnen gekommen, sich recht ungeduldig aufdem Absatz herumgedreht, dass er recht unliebenswürdiggewesen, — worauf er dann zu sagen pflegte: „Ja, aberwarum kommt auch der gerade, wenn ich mich so daraufgefreut hatte, mit Moschel°s Musik zu machen?" Er bittetsich bei jedem Abschied Briefe von ihr aus; sie soll ihmüber dies und jenes berichten, wozu Moscheies keine Zeithat. Sie verspricht es, indem sie sagt: „Aber keine Ant-wort; Sie sind ein berühmter Mann; Sie haben Bessereszu thun!" was er nie zugeben wollte. Die rothe Nelkespielte zwischen ihm und der zweiten Tochter eine grosseRolle; sie ist seine Lieblingsblume, also muss sie ihmstets eine bringen. Mitten in den Mühen eines Musik-festes oder auf den Reisen, die Moscheies und er zusam-men machen, schreibt und zeichnet er an den Briefen, dieder Gatte und Vater nach Hause schickt. Manche seinerspäter publicirten Lieder sendet er, zierlich in den Briefhinein geschrieben, gleich nach ihrem Entstehen an FrauMoscheies. „Es ist mir wieder ein Liedchen gekommen",oder „hier ist ein Lied — es passt leider gar nicht inIhre Stimme (es war das Tenorlied „Leucht' heller als dieSonne"), aber ich schicke es doch, Moscheies brummt esvielleicht". . . Man pflegte solche Blätter den Familien-schatz zu nennen.
Leider hatte Felix' Vater während dieses LondonerAufenthalts ein wochenlanges Beinleiden auszuhalten undman war sehr besorgt um ihn. Sein schwaches Gesichtmachte ihm anhaltendes Lesen unmöglich, und so brachtenFreunde, besonders Frau Moscheies, alle ihre freie Zeitbei ihm zu. Sie schreibt ihrem Vater: „Ich lese ihm dieTimes vor, wie früher Dir, und er theilt mir seine gedie-genen Ansichten über Kindererziehung mit, — hoffentlich zuNutz und Frommen der meinigen. Wie viel ich aber auch beiihm bin, die Stunden verfliegen mir in seiner Unterhaltung."
Auf die Anfrage der Frau Moscheies, ob Felix' Vaterheute wieder Moscheies' Einspänner zu einer Fahrt be-nutzen möchte, erwidert Felix:
Aloscheles' Leben. 18