Druckschrift 
1 (1872)
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

271

einzig singende und spielende Malibran Furore inTheDevil's bridge" und der in's Englische übersetztenSomnam-bula". Sie war durchaus realistisch und verachtete allesConventionelle in Bewegungen und Costümen. So trugsie in der nachtwandelnden Scene nicht das gewisse Mull-negligee grosser Darstellerinnen, das an Form und Stoffin jedem Salon figuriren könnte; nein, es war das richtigeNachtmützchen des Bauernmädchens, das formlose Gewandeiner Schlafenden, und das Tricot der Strümpfe war sounsichtbar, dass man unbekleidete Füsse zu sehen wähnte.Ihr Spiel in dieser Oper war herzzerreissend und ihr inThränen ausbrechender Schmerz so natürlich, dass derBeschauer all ihr Leid mit ihr durchkämpfen musste.

Die Beschäftigung mit Chopin regt Moscheies zu fol-gender Bemerkung an:Ich benutze gern einige freieAbendstunden, um mich mit Chopin's Etüden und seinenanderen Compositionen zu befreunden, finde auch vielReiz in ihrer Originalität und der nationalen Färbung"ihrer Motive; immer aber stolpern meine Gedanken unddurch sie die Finger, bei gewissen harten unkünstlerischenmir unbegreiflichen Modulationen, so wie mir das Ganzeoft zu süsslich, zu wenig des Mannes und studirten Mu-sikers würdig erscheint."

Dazwischen finden wir weitere Notizen über den Um-gang mit Mendelssohn. In einem Briefe von Moscheiesheisst es:Was haben wir nicht Alles zusammen musicirt!Er musste mir wieder und immer wieder seine Sachenvorspielen, die ich in der Partitur nachlas, wobei er dannstets irgend ein Blasinstrument nachahmte, auch wohl mitseiner hübschen hellen Tenorstimme einen Choreinsatz an-gab. Und hat er eine seiner Ouvertüren vierhändig arran-girt, so probiren wir sie, bis sie uns ganz spielbar vor-kommt."

Oft spielen sie sich gegenseitig Beethoven'sche So-naten vor, denen sich aber häufig gemeinschaftliche Im-provisationen der tollsten Art, musikalische Caricaturenanschliessen. Einmal muss sogar das Ammenliedchen.Polly, put the kettle on, we'll all have tea", den Stoff