Druckschrift 
1 (1872)
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

i6o

in den Strassen, wo der Zug gehen sollte. Kurz, dieslässt sich gar nicht beschreiben, denken Sie an das Prater-fest beim Congress im Jahre 1814, und Sie haben eineVorstellung davon. Acht Kapellmeister trugen die Endendes Leichentuches, darunter Eibler, Weigl, Gyrowetz,Hummel, Seyfried etc. Sechs und dreissig Fackelträger,darunter Grillparzer, Castelli, Haslinger, Steiner etc.

Gestern war Mozart's Requiem in der Augustiner-Kirche für ihn. Die grosse Kirche fasste nicht alleMenschen, die sich hineindrängten. Lablache sang denBass. Das Gremium der Kunsthändler veranlasste dieseTodtenfeier.

Sie haben den letzten Brief von Beethoven, denvom 18. März, und Schott in Mainz seine letzte Unter-schrift.

An mobilem Vermögen fanden sich sieben Bank-Aktien und einige hundert Gulden W. W. Und nunschreien und schreiben die Wiener laut und öffentlicherbedurfte nicht der Hülfe einer fremden Nation" etc., be-denken aber nicht, dass Beethoven sechs und fünfzig Jahralt und nervös, Ansprüche machen konnte, siebenzig Jahrealt zu werden. Wenn er nun Jahrelang nichts arbeitensollte, wie es ihm seine Aerzte sagten, so war er ja ge-zwungen eine Aktie nach der anderen zu verkaufen, undwie viel Jahre konnte er denn von sieben Aktien leben,ohne in die grösste Noth zu kommen. Kurz, lieberFreund! ich und Herr Hofrath von Breuning ersuchenSie recht sehr, wenn sich derlei abscheuliche Raisonne-ments bis nach England verbreiten sollten, es den ManenBeethoven's zu lieb zu thun, und die Briefe, die Sie vonBeethoven hierüber haben, in einem der gelesensten deut-schen Blätter, z. B. in der Augsburger AllgemeinenZeitung, öffentlich bekannt zu machen, welches die Phil-harmonische Gesellschaft auf ihre eigene Veranlassung thunkönnte; damit man diese Skribler hier eines Bessern be-lehre. Die Philharmonische Gesellschaft hat die Ehre,diesen grossen Mann von ihrem Gelde beerdigt zu haben,denn ohne dieses konnten wir es nicht anständig thun.