— 93 —
aber Seiten voll schreibt er über das Mendelssohn'scheHaus und seine Familienglieder. Lassen wir ihn selbstgleich nach dem ersten Eintritt in dasselbe reden. „Dasist eine Familie wie ich noch keine gekannt habe; der fünf-zehnjährige Felix, eine Erscheinung, wie es keine mehrgiebt! Was sind alle Wunderkinder neben ihm? Sie sindeben Wunderkinder und sonst nichts; dieser Felix Men-delssohn ist schon ein reifer Künstler und dabei erst fünf-zehn Jahre alt! Wir blieben gleich mehrere Stunden bei-einander, ich musste viel spielen, wo ich eigentlich hörenund Compositionen sehen wollte, denn Felix hatte mir einConcert in C-moll, ein Doppelconcert und mehre Motettenzu zeigen und Alles war genialisch und dabei wie correctund gediegen! Seine ältere Schwester Fanny, auch un-endlich begabt, spielte Fugen und Passacaillen von Bachauswendig mit bewundernswerther Genauigkeit; ich glaube,sie ist mit Recht „ein guter Musiker" zu nennen. BeideEltern machen den Eindruck von Menschen, die den höch-sten Grad von Bildung haben; denn sie sind weit entfernt,auf ihre Kinder stolz zu sein; sie machen sich Sorge wegenFelix' Zukunft, ob er wohl ausreichende Begabung habe,um Tüchtiges, wahrhaft Grosses zu leisten? ob er nicht,wie so viele talentvolle Kinder, plötzlich wieder unter-gehen werde? Ich konnte ihnen nicht genug betheuernwie ich, von seiner dereinstigen Meisterschaft überzeugt,nicht den mindesten Zweifel in sein Genie setze; dochmusste ich das oft wiederholen, ehe sie es mir glaubten.Das sind also keine gewöhnlichen Wunderkinds-Eltern,wie sie mir so häufig vorkommen."
Das Gefallen war aber gegenseitig, und je öfterMoscheies zu Mittag oder Abends zu Mendelssohn's kam,desto mehr erfreute er sie, desto herzlicher nahmen sieihn auf. Die Eltern hatten ihn wiederholt um einigeLectionen für Felix gebeten, er aber hatte stets in be-scheidenster Weise ausweichend geantwortet. In's Tage-buch schrieb er: „Der hat keine Lectionen nöthig; will ermir etwas abmerken, was ihm neu ist, so kann er'sleicht."