Druckschrift 
1 (1872)
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

durch ihn geehrt fühlten. Ausflüge aufs Land führtenmanchen neuen Erfolg, manches neue und erheiterndeAbenteuer mit sich, und endlich folgte er der Einladungder gräflichen Familie Wallis, den Sommer mit ihr inKarlsbad zuzubringen.

Karlsbad war in jenem Sommer der Sammelpunkteiner glänzenden Gesellschaft von Fürsten und hohenAdeligen, bedeutenden Staatsmännern und Künstlern. Dort

I waren ausser König Friedrich Wilhelm III. von PreussenHardenberg und Gneisenau, Wittgenstein, Rostopschinu. A. Der preussische, österreichische und russische Adelüberbot sich in glänzenden Festen und dabei gab es dieangenehmste Mischung der Stände, da sich die hohenHerrschaften gern um die Künstler gruppirten und mitihnen Musik machten. Die russische Baronesse Luninsang vortrefflich und Fürst Galizin, der sich der Compo-sition ergeben hatte, componirte ihr Romanzen, die Mo-scheies revidirte und ihr beim Vortrag am Ciavier be-gleitete. Moscheies machte auch hier namentlich mitseinen Alexander-Variationen und seinen Phantasien Fu-rore. Die Zeichen der Anerkennung, die ihm von allenSeiten entgegengebracht wurden, und die Gastfreundschaft,

, der er überall begegnete, ermunterten ihn, und oft hat er

r sie in späteren Jahrzehnten gepriesen, im Gegensatze zuder Nüchternheit und Gleichgültigkeit, mit der man in

' unseren Tagen aufstrebenden Talenten entgegenzukommenpflegt.*) .

*) In Karlsbad war es auch, wo Robert Schumann zum erstenMale den Pianisten Moscheles hörte und hier einen unvergesslichen, seineLaufbahn mit bestimmenden Eindruck erhielt. R. Schumann sagt ineinem Brief an Moscheles darüber Folgendes:

Freude und Ehre haben Sie mir bereitet durch die Widmung IhrerSonate (Opus 121, für Pianoforte und Violoncello); sie gilt mir zugleichals eine Ermunterung meines eigenen Strebens, an dem Sie von jeherfreundlich Antheil nahmen. Als ich, Ihnen gänzlich unbekannt, vormehr als dreissig Jahren in Karlsbad mir einen Concertzettel, den Sieberührt hatten, wie eine Reliquie lange Zeit aufbewahrte, wie hätte ich dageträumt von so berühmtem Meister auf diese Weise geehrt zu werden.Xehmen Sie meinen innigsten Dank dafür!' 1