wurde, denn nie konnte sie ihre Stückchen richtig heraus-bringen. Da ich, wenn ich allein war, schon versuchthatte, sie mir zusammen zu buchstabiren, — was' ich garnicht schwer fand, — so ärgerte mich ihre Ungeschick-lichkeit und ich vergass mich so weit, einmal in der Lec-tion auszurufen: „O wie dumm! das könnte ich bessermachen." Der alte Lehrer Zadrakha lachte in den Bart,Hess mich aber doch auf den Stuhl springen und stattmeiner Schwester spielen. Sein Bericht an den Vatermuss günstig ausgefallen sein, denn einige Tage daraufwurde mir plötzlich eröffnet, dass nun statt meinerSchwester mit mir ein Versuch gemacht werden solle.
Wer war froher als ich! Die Ciavierstunden begannensofort und ich rückte rasch vor, vielleicht zu rasch fürden alten Lehrer, in dessen eintönige Uebungen ich michnicht fügen wollte. Ich abonnirte mich aus meinem Taschen-gelde in einer, musikalischen Leihbibliothek und holte mirnicht weniger als ein halbes Dutzend Stücke auf Einmal, vonKozeluch, Eberl, Pleyel u. A., die ich eilig durchflog. Ob derLehrer dieses Verfahrens überdrüssig' wurde oder ob derVater ihn entliess, weiss ich nicht; genug, er blieb aus.
Hausfreunde glaubten meinem Vater und mir einenDienst zu erweisen, wenn sie mich dann und wann in be-freundete Familien führten, wo ich ob meiner Leistungen,die erbärmlich genug sein mochten, als ein rares Pflänz-chen bewundert und gehätschelt wurde. Natürlich schmeck-ten mir die Lobeserhebungen, Küsse und sonstigen Süssig-keiten, mit denen mich die Damen fütterten, doch meinVater setzte diesem Unfuge bald Schranken, indem er ihnden leichtsinnigen Freunden verwies. Er hatte die richtigeAhnung, dass solches Gebahren nicht geeignet sei, michvorwärts zu bringen. Je mehr sich der musikalischeInstinct in mir regte, desto zärtlicher wurde er mit mir;schlich ich mich aber von den verhassten Fingerübungenfort, um Säbelscheiden, Helme und sonstiges Soldatenspiel-werk aus Pappe anzufertigen und unter meine Compagniezu vertheilen, so machte ich ihm und mir bittere Momente.Ich hatte doch als Hauptmann meine Pflichten, und es er-