Druckschrift 
Vorschläge der Stadt Düsseldorf zur kommunalen Neugliederung im Regierungsbezirk Düsseldorf
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Der tmctfcfjaftacfje ^uögkirfi jtmfrfjcn tftoö! und £onÖ

Dann hat der Düsseldorfer Landrat auf den wirtschaftlichen Ausgleich, der aus der Das BeispielFörderung der Wirtschaft entstehenden öffentlichen Lasten und seinen Einfluß auf die Verfassung Groß-Londoneines Gemeindewesens hingewiesen und hierfür als Beispiel Groß-London zitiert,woselbstdie Rücksicht auf die Erhaltung der Selbstverwaltung nicht zur Form der Großstadtgemeinde,sondern zur Form der Grafschaft geführt hat, die etwa unserem Kreisverbande entspricht" 1 .

Merkwürdigerweise ist der Konflikt zwischen den großen Stadträten und den großen länd-lichen Räten, also zwischen den Graf schafts st ad träten einerseits und den ländlichen Graf-schaftsräten andererseits, der sich seit den letzten 25 Jahren innerhalb der Grafschaft ab-spielt, mit keinem Worte erwähnt. Wir wollen hierzu den hervorragenden Kenner derenglischen Selbstverwaltung, William A. Robson, London, zitieren. Er hat in einem Aufsatzin Nr. 20 der gewiß unverdächtigen ZeitschriftDer Deutsche Volkswirt" vom 17. Februar 1928eine eingehende Darstellung der Probleme der englischen Selbstverwaltung gebracht. Zu demKampfe der Großstadt gegen die Grafschaft äußert er sich u.a. wie folgt:

Die Städte behaupten, daß die Grafschaftsverwaltung im Vergleich zur Stadtverwaltung Kritik aus englischemminderwertig ist, daß diese Verschiebung der Kompetenzen 2 größere Leistungsfähigkeit gewähr- Mundeleistet. Und mit Recht: Volksgesundheit und Unterricht sind offenkundig und nachweislich inden Städten besser als auf dem Lande, und die verhältnismäßige Verschlechterung des Gesund-heitszustandes der Landkinder ist eine wachsende Quelle von Unruhe für unsere Hygieniker.Zweitens behaupten sie, daß die städtische Verwaltung demokratischer ist. Auch hiermit be-finden sie sich auf sicherem Boden. Die Grafschaftsräte sind noch immer der ausschließlicheTummelplatz jener Schichten in England, die über Zeit und Geld verfügen: Die langen Reisenbis zum Grafschaftshaus sind kostspielig und Arbeiter und Arbeiterinnen können die Zeit wäh-rend des Arbeitstages nicht aufbringen. Jedenfalls sind die Wahlziffern bei den Wahlen zumGrafschaftsrat sehr gering und es gibt viele Wahlen ohne Wahlkampf.

Aber das beherrschende 3 Argument der Städte ist auf eine ganz neue Tatsache unseres DieLebens gegründet: die ungeheuere tägliche Flutwelle von Bevölkerungsmassen, die jeden tägliche WanderungMorgen und Abend in die Städte hinein- und aus ihnen herausströmt. Diese Flut ist durch dieVerkehrsverbesserung bedingt. Die Leute wohnen heute weit außerhalb der Gebiete, in denensie arbeiten, und so haben wir um all unsere Großstädte einen großen Gürtel von Wohnsied-lungen. Diese Flut erreicht ungeheuere Ausmaße und nimmt rasch zu. In London flutenz. B. an jedem Arbeitstage fast drei Viertel Millionen Menschen zu ihrer Ar-beit in die Stadt. Während sie arbeiten, muß der Grafschaftsstadtrat (im Fall von London derLondoner Grafschaftsrat) für verschiedene kostspielige Einrichtungen sorgen: für Verkehrs-mittel, die Reinigung, Beleuchtung und Pflasterung der Straßen, Kanalisierung, Feuerwehr usw.Aber gerade in dem Augenblick, wo dieser Verbrauch städtischer Einrichtungen zu Beiträgenfür ihre Kosten herangezogen werden müßte, wandern sie über die städtischen Grenzen in ihreWohnungen zurück und entschwinden der städtischen Steuerhoheit. Ist es also zu bestreiten,daß die Städte bei ihren Gesuchen an das Parlament oder den Minister, ihre Grenzen zu er-

1 A. a. 0. S. 5.

2 Soll heißen: zugunsten der Städte.

Sperrungen von uns.

11