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Eine scharfe asketische Natur war Lamprecht nicht.Als weltlichen Jüngling wie als Minoriten hat ihn einnüchterner freier Blick nicht verlassen. x ) Den unmittel-baren Begnadigungen, deren sich namentlich ekstatische"Weiher rühmten, steht er kühl gegenüber (S. 2838 ff.2868. 2979 ff. 2994—3040), ganz im Sinne Davidsvon Augsburg. Buhige innige Frömmigkeit, reines Leben,das nach dem einswerden mit der' göttlichen Liehetrachtet, der Gewinn der ivären minne sind die Ziele,denen seine Sele zustrebt. Er weiss, dass dies nurdurch einen leidenschaftlichen Aufschwung erreichbarist, und er schildert in der Tochter Syon den Weg,auf dem die Sele zu der mystischen Vereinigung mitGott wandeln muss. Wie er aber hierbei nur fremdeGedanken vorträgt, so bekennt er auch bald deutlich,bald versteckter, dass ihm solche Zustände mehr imWunsche als im Wesen liegen. Lebhafte Phantasie, er-regtes heisses Gefühl waren nicht Lamprechts Eigen-schaften ; sie fehlen ihm daher auch als Dichter.
Lamprecht gibt im Eranzisk nur eine TJebersetzungder Thomasschen vita S. Erancisci in poetischer Form.In der. Tochter Syon liegt zwar auch eine lateinischeProsa zu Grunde, allein sie wird von Lamprecht weitausgesponnen und mit allerlei Zuthaten durchwoben.Er verwertet dabei die theologischen Kenntnisse, dieihm durch den Provinzial Gerhard überliefert sind,ausserdem spricht er seine eigenen Erfahrungen undBeobachtungen an vielen Stellen aus. Dabei erscheintein grosser Mangel an Oompositionsgabe und ein sehrgeringes Gefühl für das richtige Verhältnis seiner Ein-schiebungen und Ausführungen zu dem Grundbau des
x ) Vgl. noch die Vorbemerkungen zu der Tochter Syon,vor dem Text des Gedichtes.