146natürlich wieder dem Ort seiner Bestimmung zurückgibt. Als nun im Juli 1681der Bischof von Paderborn tötlich erkrankte, erkennt der Abt von Werden dieIntentionen Marias, macht dem Bischof persönlich Mitteilung darüber, dieserthut ein Gelübde an die Hardenberger Madonna und geniest. Hierauf reister mit dem Abt zusammen nach Neviges, trifft dort den Herzog PhilippWilhelm, der von Düsseldorf herbeigeeilt war, und verehrt mit ihnen das„miraculöse“ Bild. Natürlich sorgt er dafür, daß das Kloster alsbald ausgebautwird. Die ganze Geschichte erzählt ausführlich der Franziskaner in HardenbergPater Engelbert Pauck in folgender Schrift: Dreyfache — Offenbahrungvon dem Wunderwürdigsten Gnaden=Bild der unbefleckt=empfangener Jungfrauund Mutter Gottes Maria zum Hardenberg bei den P. P. der strengerenObservantz (Düsseldorf 1740).60) Kettwig, (1052 Katuuik), im vormaligen Reichsstift Werden, eineStunde oberhalb der Stadt Werden am rechten Ruhrufer gelegen, ist auseinem abteilichen Haupthofe entstanden, dessen Hebestelle der Hof zum Hofe alsFrohnhof war (v. Mülmann, Statistik des Reg.=Bez. Düsseldorf, I., S. 432).Im Jahre 1317 bestand zu Kettwig schon ein Jahrmarkt (Lacomblet, Urkundenb.III., 162); außerdem standen „Ketwick binnen den dorp“ (d. h. dem DorfeKettwig zum Unterschiede von Kettwig vor der Brücke) Kaufhandel (komen-schap) sowie feiler Wein und Bierzapf zu; es hatte eine Mühle an der Ruhr,welche der Graf von Mark als Vogt von der Abtei zu Lehn besaß (Urkundedes Grafen Engelbert von Mark vom 17. Septbr. 1372 bei Lacomblet a. a.O. III., 731), sowie eine vielbenutzte Ruhrfähre nebst Brücke. Die Pfarrkirchezum h. Petrus zu Kettwig, welche schon im 13. Jahrh. genannt wird, ist seitEnde des 16. Jahrh. im Besitze der Reformierten geblieben und der DuisburgerKlasse zugeteilt gewesen (J. A. v. Recklinghausen, Reformationsgesch. III.S. 158 ff.). Eine katholische Kapelle bestand als Filiale der Hauptpfarrkirchezu Werden daselbst fort und wurde nach der Säkularisation des Stifts neudotiert (1806) und demnächst zur Pfarrkirche erhoben. Im Jahre 1802 zähltedas Dorf Kettwig 180 Häuser, außer den Fabrikgebäuden. J. P. Müller(Stift Werden, S. 8) bemerkt, bei Angabe dieser Häuserzahl, daß die Fabrikatedaselbst mannigfaltiger und ausgebreiteter seien als in Werden; die Kaufmann-schaft führe einen beträchtlichen Handel (a. a. O., S. 6, 8, 61). Seit 1815 Stadt,soll Kettwig durch die Gebrüder Scheidt zuerst eine Maschinen=Wollspinnereinach englischem Vorbilde erhalten haben (v. Mülmann a. a. O., S. 432). WasKettwig vor oder an der Brücke betrifft, so bildete dasselbe einen Teil derunter Mintard gehörigen Honnschaft Laupendahl im Amte Landsberg=Angermund,lag mithin auf Bergischem Gebiete.**) Mülheim an der Ruhr, alte Gerichtsstätte im Ruhrgau („Mulenheimin placito Bernheri comitis“ laut Urk. vom J. 1093, s. Lacomblet, U.=B. I.,247), 1363 als Dorf und Kirchspiel im Amte Angermund aufgeführt (Lac.Arch. IV., S. 147), dann mit Urk. vom 3. Aug. 1397 von Herzog Wilhelm I.von Berg dem Grafen Adolf III. von Cleve=Mark zugesichert (Lak. U.=B. III.,1031), wurde von Erstgenanntem mit Urk. vom 3. Nov. 1399 dem Letzterenund darauf von Wilhelms Sohne Adolf am 24. Januar 1420 an HerzogAdolf 1. von Cleve verpfändet, welcher das Kirchspiel seinerseits im Jahre 1432wieder an Dietrich VI. von Limburg=Broich amts= und pfandweise vergab.
Druckschrift
Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
Seite
146
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