136Schwelm. Allein Zerwürfnisse innerhalb derselben veranlaßten die Oberbarmer,sich um Gründung eines eigenen Pfarrsystems zu bemühen. Sie erhieltenzunächst 21. April 1697 durch Kurfürst Johann Wilhelm das Recht derKatechismuspredigt, 28. Nov. 1697 das der Vormittagspredigt und 8. Aug. 1702das freie Religions=Exercitium. Das Kollekten=Patent der Königin Anna (nochim Kirchenarchiv vorhanden) ist 10. Nov. 1708 ausgestellt. Die auf Grund-desselben abgehaltene Kollekte ergab, nach Abzug der bedeutenden Kosten, noch2000 £ = 8485 Rthlr. Der Grundstein zur Kirche auf der Gemarke (bisherwar die Predigt in der Rektoratschule abgehalten) wurde 19. Mai 1710 durch denKirchmeister Johann Bredt gelegt, der erste Gottesdienst war am 10. Juni 1714.Vgl. Gründungsgeschichte der Reformierten Gemeinde zu Gemarke nach Eber-hardis „historischem Bericht“. Barmen, 1867. (Das in dieser Schrift heraus-gegebene Manuskript ist 1719 von Pfarrer Kaspar Eberhardi verfaßt.)**) Der Grundstein zur ersten römisch=katholischen Kirche (am alten Markt)wurde 30. Mai 1708 gelegt, wegen Mangels an Mitteln zog sich der Baubis 1721 hin, in welchem Jahre am 24. März die Einweihung vorgenommenwurde.**) Als die der Herrschaft und den Hofes= (richtiger Hufen=)inhabern inGemeinbesitz zugehörigen Gemarkengründe von Barmen (hauptsächlich in Waldbestehend) im Jahr 1706 geteilt wurden, fiel den letzteren ein in der Mittedes Ortes gelegener Grund zu, der teils sumpfig, teils mit Strauchwerkbewachsen war, die im engern Sinne s. g. Gemarke. Diese wurde zu Bau-plätzen parzelliert, und es entstand dort sehr bald eine ganze Reihe von Wohn-häusern, die den Mittelpunkt eines sich allmählich ausdehnenden zusammen-hängenden Ortes bildeten, welcher letztere zunächst den Namen Gemarke führte,während das Ganze wie von Anfang an Barmen genannt wurde. Über dieältere Geschichte des Hofes Barmen, den 1244 Graf Heinrich von Berg demGrafen von Ravensberg abkaufte, vgl. meine Übersicht im 1. Nachtrag zurStatistik des Stadtkreises Barmen und meine Beiträge zur Geschichte Barmens(Zeitschrift des B. G.=V. II. S. 305 ff. und IV. S. 212 ff.); über die spätereZeit: A. Werth, Über die Höfe im Werth zu Barmen und den allmählichenAusbau derselben zu einem Ort, in Zeitschrift des B. G.=V. XVI, S. 133 ff.und XVII, S. 83 ff.80)In Wichlinghausen, wo ein gräflich Märkischer Hof lag, dessendingpflichtige Hufen aber meist auch dem Bergischen Hof in Barmen zugehörigwaren, befand sich bereits im 17. Jahrh. eine lutherische Schule, deren Lehrer(man wählte dazu in der Regel Kandidaten der Theologie) auch SonntagsPredigten hielten. Diese können nur unter den von Wülfing erwähntenPredigern gemeint sein. Denn das förmliche Religions=Exercitium erhieltendie Lutheraner erst 1744. Vgl. Zeitschr. des B. G.=V. XIV, S. 4 ff.**) Solingen entstand auf dem Grunde eines Fronhofes, der den Herrnv. Solingen (später von Oefte) gehörte. Diesen kaufte Graf Gerhard von Berg.Allein dessen Witwe Margaretha verkaufte ihn, unter Zustimmung ihres SohnesWilhelm, 13. Dez. 1363 an die Abtei Altenberg, welche die Kirche sich 1399(Bestätigung 23. Juni durch Pabst Bonifacius IX.) inkorporierte und denGottesdienst seitdem durch Vikare vom Kloster aus versehen ließ. Erst 1613gab das Kloster den Solinger Pfarrhof (Widenhof) wieder heraus und so wurde
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Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
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