84hat, welcher keiner Dinge kundig ist? Es ist eben damit bewandt,gleichwie in einer gemeinen Haußhaltung da der Haußvatter gernesolche Knechte und Mägde umb sich siehet, die alles in seinemHauß zu finden kundig sindt und wo ein jedes hingehöre, schonwissen, als wordurch dem Herrn des Hauses grose Mühe benommenund seine Sorge aufs nöthigste zurichten, nicht verhindert wird.Der geneigte Leßer mögte vielleicht dencken, wie soll ich aberdieses Gleichnuß appliciren und auf diese Topographie reimen!deme antworte, daß es zwar gut und weißlich seye, solche Beambtenanzunehmen, die des Ambtes eine genaue Kundtschafft haben, ausobangerührten Uhrsachen, weilen aber solche zu haben nicht allezeitmöglich ist, kann der Mangel durch solche Topographien meistensersezzet werden, sintemahl ein neuer und in allen unkundiger sichselbst durch solche genaue Verzeichnung unterrichten und gleichsamin einer kurzen Zeit dasjenige werden kann, worzu mann anderstnicht als durch Erfahrung gelanget und dazu auch sonsten vieleZeit nöthig ist. Darneben hat mann nicht nöthig das Gedächtnüßzu beschwehren, solche und dergleichen Gelegenheiten des Landessich zu imprimiren, dieweil gleichsam mit einem Blick alles kanngesehen und dem Gedächtnus wieder vorgelegt werden, was etwannvergessen worden.Sindt solche Topographien alt geworden, werden dieselbe nochmehr ästimiret, weilen sie uns viele Nachricht können geben, wievor diesem das Landt beschaffen gewesen, wie dieser oder jener Ortvormahls geheißen und andere Dinge mehr, die mann öffters vonden ältesten des Landts, als gleichsam inventariis, erforschenmuß und wann solche verstorben, geben die Nachkommen entwederkeine, oder doch zweifelhaftige, ja aus eigenem Interesse verkehrteund unwahre Nachrichten. Dieses letztere sage ich, wann dieTopographien auch mit allen Grenzen des Landes in specie ver-sehen sindt, und mann nach Verlauf vieler Jahre durch Kriegund andere Zufälle gedachte Grenzen nicht mehr weiß, solche abervon alten Leuten zu erfahren gedencket, welche dann öffters davonnichts wissen, oder aus eigenem Nuzzen und Vortheil solche nichtgebührlich anzeigen wollen. Worauß dann der geneigte Leßergenugsam kann sehen, daß der Nuzzen einer Topographie nichtsogleich von einem jeden gesehen werde, und daß solcher nichteiner der geringsten seye.
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Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
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