VII
Jahre 1219 erfahren wir, wie die Mittel zur Restauration der bau-fällig gewordenen Gereons-Kirche beschafft worden sind. Die ältesteKirche von St. Gereon war, wie dies v. Quast nachgewiesen hat,eine runde Grabkirche, an welche man im eilften Jahrhundert dastheilweise noch vorhandene Langchor baute; nachdem im zwölftenJahrhundert an dieses Langchor eine neue, von zwei Thürmen flan-kirlc Chornische gebaut worden war, entstand im dreizehnten Jahr-hundert über der alten Grabkirche die jetzige Kuppel. Ueber denältesten Theil des Baues, das Langchor, haben wir bestimmte Nach-richten; es wurde vom Erzbischof Anno gebaut und 1069 geweiht.Mit der Vollendung der jetzigen Chornische und der beiden Thürmekann man mit grosser Wahrscheinlichkeit die Einweihung des Ge-reous-Altares und die • Versetzung der Reliquien in die neue Kryptain Verbindung bringen, welche im Jahre 1291 und 1290 (Böh-mer, fontes III. p. 399) Statt fanden. Von der jetzigen Kup-pel wussten wir, dass sie 1227 (Böhmer, fontes III. p. 400)fertig geworden ist; in unserer Urkunde gewinnen wir nunallem Anscheine nach einen sichern Anhaltspunkt für den Beginndes Baues. Im Jahre 1219 war der alte Rundbau, die alte Grab-kirche, baufällig geworden und drohte den Einsturz. Es werden da-her aus Beiträgen der Stiftsherren und aus dem Ertrage unbe-setzter Präbenden die Mittel zur Aufführung eines Neubaues be-schafft.
Eine zweite Notiz bezieht sich auf die Kirche von Gross-Martin.Dieser Bau ist im grossen Ganzen etwa zwischen 1150 und 1172, wodie Einweihung Statt fand (Antiquitates monasterii s. Martini maioriscolon. ed. J. H. Kessel, p. 98), .entstanden. Es finden sich aber an-dere Theile an dieser Kirche, deren Bauformen sieh durchaus nichtmit den angegebenen Jahreszahlen vertragen. Das westliehe Portal,wohl das reichste und schönste romanische Portal in Köln, kannnicht so früh entstanden sein. Wir sehen daran die Ringelsäule undden romanischen Spitzbogen. Dasselbe gilt von dem Triforium überden Arkaden des Mittelschiffes; Spitzbogen und kelchförmige Knos-penkapitäle, welche sich an den Säulen, die das gewiss gleichzeitigmit dem Triforium eingesetzte Gewölbe tragen, wiederholen, gehörenentschieden dem Uebergangs-Style an und deuten auf den Anfangdes dreizehnten Jahrhunderts. Wann diese Theile gebaut wordensind, darüber fehlten bisher alle Nachrichten. Wenn aber in der Ur-kunde Nr. 35 eine Bauthätigkeit au dieser Kirche bezeugt wird, sodürfen wir diese Nachricht mit grosser Wahrscheinlichkeit auf diebezeichneten Bautheile beziehen.