480 v - Staufer. § 23. Die Lieder der Vaganten.
Früherer Zeit gehört das Dictamen über die Errichtung einervon Rom unabhängigen Gestaltung der deutschen Kirche an, dieeinzige Spur eines solchen Gedankens, behandelt in der Form einesBriefwechsels zwischen Friedrich I, Erzbischof Hillin von Trier undAdrian IV, welcher sich in vielen Handschriften findet und also vielBeachtung gefunden haben mufs 1 ).
J. F. Böhmer hat den Dialog eines Clerikers mit einem Laienüber die Absetzung Adolfs von Cöln (1206) bekannt gemacht, inwelchem das Verfahren des Pabstes vertheidigt wird 2 ), während ineinem anderen metrischen Dialog zwischen Roma und Innocenz III,der nach Winkelmann zur Einwirkung auf das Concil von 1215 be-stimmt war, Otto IV in Schutz genommen wird 3 ). Anderes der Artmag noch ungedruckt sein. Der kaiserliche und der päbstliche Hoferfüllten die Welt mit ihren Manifesten; Petrus de Vinea undThomas von Capua erwarben sich in diesem Kampfe den Ruhmder vollendetsten Beredsamkeit*). Aber jene reiche Litteratur vonnicht amtlichen Controversschriften, welche der erste Kampf zwischenGregor und Heinrich IV und später wieder die neuen Kämpfe desvierzehnten Jahrhunderts hervorriefen, läfst sich jetzt vermissen.Man mochte fühlen, dafs mit Gründen nichts auszurichten war, dafsWaffen und Geld allein entschieden, und deshalb scheute sich jeder-mann vor der Gefahr, welche mit solcher Schriftstellerei verbundenwar. Nur ein kühner Dominicaner Namens Arnold, der in Inno-
1 ) Wattenbach im Arch. d. W. Ak. XP7, 60—65. 86—92. WeitereHss. in Bern 568, H. Hagen, Catal. S. 458; in München, Catal. II, 4, 28und 67. Bei Engelhus wahrscheinlich aus Dietrich v. Niem, NA. XII, 599.
2 ) Fontes III, 400—407. Waitz, Chronica Regia p. 316-322. Vgl.Cardauns in den Städteehroniken XII, S. LXXI.
3 ) Dialogus inter Innocentium III et Romain, Leibn. SS. II, 525—532;daraus in den Studj sul secolo XHI von La Farina IV, 652. Vgl. Winkel-mann, Otto IV, S. 422.
4 ) Den Zeitgenossen und den folgenden Jahrhunderten dienten ihregesammelten Briefe und Streitschriften als Muster. Vgl. das ausgezeich-nete Werk von Huillard-Breholles: Vie et Correspondance de Pierre dela Vigne, Ministre de l'empereur Frederic II, avec une etude sur le mouve-ment reformiste au XIII 6 siecle. Paris 1865. Seine Herkunft (er war derSohn des Notars u. Richters Angelus in Capua) ist festgestellt durch Ca-passo u. Janelli: Pietro della Vigna, Caserta 1882. — Unter den früherenProfessoren dieser Kunst ist vorzüglich der Florentiner Boncompagnushervorzuheben, der in Bologna um 1215 lehrte und auch eine Beschrei-bung der Belagerung von Ancona durch Christian von Mainz 1173 (Murat.VI, 925) verfafst hat, vgl. Tiraboschi IV, 449—456; Rockinger, Briefstellerund Formelbücher S. 115 ff. u. vorzüglich Quellen z. Bayer, u. DeutschenGesch. IX, 1, 115—174. Varrentrapp, Christian von Mainz S. 113—124.Ueber seine grammatischen Schriften Charles Thurot, Notices et ExtraitsXXII, 2, 36.