Die Chronik von Novalese. Ivrea. 241
Derselben Gegend, aber schon etwas späterer Zeit, gehört dasLeben des Abtes Benedict von Clusa (f 1091), von seinem Schüler,dem Mönch Wilhelm, welcher auch die Gründungsgeschichte desKlosters schrieb 1 ). Dem Inhalt, aber nicht der Abfassung nachstammt noch aus der ottonischen Zeit die wenig zuverlässige Le-gende vom h. Bovo von Voghera, welcher die Sarrazenen ausFraxinetum vertrieben haben soll, aber in keiner anderen Quellegenannt wird 2 ).
Aus dem elften Jahrhundert, wie es scheint, stammt die Grün-dungsgeschichte von Montamiata in der letzten Langobardenzeit,die aus den Gesta Pontificum entnommen, aber mit Fabeln gemischtist 3 ); ferner die fabelhafte Lebensbeschreibung des Abts Anselmvon Nonantula, aus König Aistulfs Zeit 4 ).
In Ivrea hat in eine der aufserordentlich schönen und merk-würdigen Handschriften, durch welche zu Ottos III Zeit BischofWarmund seine Verehrung der Mutter Gottes bezeugt hatte, einZeitgenosse des Bischofs Ogerius, der Heinrichs IV Kanzler, undihm und Clemens III treu ergeben war, Gedichte eingetragen,Hymnen und ein längeres Idyll, welches in gezierter und mit Ge-lehrsamkeit prunkender Sprache characteristisch ist für die Studiender Grammatiker jener Zeit, und manchen culturgeschichtlich wich-tigen Zug enthält, zugleich in Prunkliebe und Freude an Sinnenlust
Nova Coli. III, 2, 251. Ueber die verschiedenen Vitae Heldradi s. Beth-mann, SS. VII, 73, Anm. 5, u. die Vita in einer Hs. vom Martyrol. Adonisaus Novalese bei K. Müller in d. Zts. f. Kirchengesch. IV, 253—256.
') Vita Benedicts Clusensis ed. Bethmann, MG. SS. XII, 196—208. Mon.Patr. SS. III, 273—300 aus Mabillon. Ib. 249—266 die Gründungsgeschichte,erste Ausg. von Provana. Vita Johannis Ravennatis, des Stifters, ib. 237bis 244 aus Murat. P, 564 ff.
2 ) Vita Bobonis de Viqueria ed. God. Henschen, Acta SS. Mai V, 185.— Ueber Bernhard von Mentone, Archidiaconus von Aosta, Gründerder beiden St. Bernhard-Hospitäler, ist eine alte Sequenz Acta SS. Jun. ü,1082. Danach gemacht ohne neue Nachrichten die Vita p. 1082—1085."Während er hier in Heinrichs IV Zeit gesetzt wird, versetzt ihn die ganzfabelhafte Vita p. 1074—1078 in die Jahre 923—1018. Ein angeblicherArchidiaconus Richard, Nachfolger Bernhards, bezeugt sie geschrieben zuhaben, aber es ist ein grober Betrug, obgleich Papebroch daran glaubte.Brauchbar nur für Alpensagen und Aberglauben. Eine abweichende Hand-schrift Arch. VII, 380. Vgl. Lütolf: Ueber das wahre Zeitalter d. h. Bern-hard von Menthon u. die bezügl. Quellen, Theol. Quartalschr. 1879, II, 1bis 207.
3 ) Fundatio mon. Salvatoris montis Amiati, bei Waitz, SS. Rer. Langob.p. 564.
*) Ib. p. 566—579 cum catalogo abbatum. Ueber die Sammlung vonBortolotti, Vita di S. Anselmo (Modena 1892) s. NA. XVH, 629.
Wattenbach, Gesohiohtsquellen II. fi. Aufl. 16