11neuen Glaubens von allen alten — unbekümmert um jeglichesStaatswesen seine Lehre aufstellte.Es hatte, indem es eine Universalreligion werden sollte,stets das Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist, im Augewährend alle anderen Glaubenstheorien Religionen gewisserStaaten waren und blieben.Der jüdische Religionsstifter war vor allem Gesetzgeber,Recht, Moral und Religion waren auf's innigste verknüpft. DieBibel enthält die Geschichte, die Wissenschaften und die Ethik, dieGlaubenslehren und das Privatrecht, die Strafgesetze und das öffent-liche Recht, kurz, sie umfaßt das ganze Dasein des jüdischen Volkes.Ebensowenig als sich ein jüdisch=testamentarischer Staat ohnedie jüdische Religion denken läßt, ebensowenig stimmt der heutigejüdische Glaube mit dem biblischen überein.Jüdische Schriftsteller gehen nun so weit, daß sie dieSklaverei bei den alten Hebräern völlig leugnen.1 Das istunrichtig. Das Institut der Sklaverei findet sich in alter Zeitauch bei den Juden vor, freilich unendlich milder und liberaler alsbei den Ariern des Alterthums, des Mittelalters und theilweisesogar noch der neuesten Zeit.Die Sklaverei ist uralt. Sie bestand in Asien als abge-klärte soziale Einrichtung schon zu jener Zeit, da die Trennungder verschiedenen semitischen Volksstämme noch nicht erfolgt war.Darauf deutet unfehlbar der Umstand, daß der Name Sklave,Sklavin bei Hebräern und Arabern identisch ist.22 Auf einen großenund organisirten Sklavenhandel weisen die Erzählungen der erstenBücher Mosis hin23 Der Gesetzgeber der Juden fand dieSklaverei als eine alte, längst vor seiner Zeit eingeführte In-stitution bei seinem Volke und dessen Nachbarn vor.Sie hat ihren Grund in der Ungleichheit der physischenKräfte des Einzelnen, des Stammes, im Rechte des Stärkeren.Wild, frei und zügellos schweiften die Menschenhorden umher.(869)
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