Druckschrift 
Bd. 1 (1819)
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

(18)schieden waren, desto verschiedener waren auch dieReligionen und Gottes=Verehrungen.Inzwischen hat er sehr gefehlt, da er sagte, undden Satz gleichsam guthiesse:Suam cuique CivitaReligionem esse. (Eine jede Stadt habe ihneigene Gottes=Verehrung.n3) Armer Lucian! kaltherziger obschon geistreichSpötter! In das unterhölte heitere Gebäude deinpolytheistischen ungeheuren Tempels bringst du alle 3listen, Sturm=Widder und Mauerbrecher deinesnünftelnden Witzes an, um niederzuwerfen vollendwas, so wie es jetzt geglaubt wurde, nicht mehr haltwar. Salz und Asche säest du auf die TrümmerRuinen, aber mit trauriger Leerheit entlässest du jeNahenden, Fühlenden wie du selbst leer hinweggan höherem Gefühle von deinen Trümmer= und BraKätten.4) Julian, dein Zeitgenosse, GeistesverwandteWitz, fühlte tiefer. Aber Politik mischte sich in diedürfnisse seines Herzens. Zu stolz zur Christusreligsich zu bekennen, wollte er die wieder haben, in dergeboren war, und den Lauf aufhalten der Siegenüber die schon halb von ihr Besiegte. Da verwigihn seine düstre Phantasie in die Irrgänge seiner ägtischen Pfaffenweisheit, und eine finsterschwärmeriHeidenreligion fezte er an die Stelle der menschheitern schönen griechischen, deren Geist aber abgeblühtmit dem Geiste des öffentlichen Lebens, das ihn zuund nährte! und um so weniger konnte ein solchesbel= und Nacht=Gewebe jetzt halten, da das helle Mgenlicht der christlichen Religion schon den Tag ange-det hatte in so vielen Herzen.