Druckschrift 
Entwurf zur Vertheidigung des Notars Reymann gegen die Anklage der Amtsverletzung und Fälschung vor der correctionellen Appellkammer des Landgerichtes zu Düsseldorf
Entstehung
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Der Dr. Thönissen versichert Ihnen, daß er unmittelbar vormir bei dem Kranken gewesen sei, daß derselbe sich verständig mitihm unterhalten habe, daß er sich namentlich darüber geäußert habe,wie er nicht habe erwarten können, allein vom Nervenfleber ver-schont zu bleiben, während seine ganze Familie und alle seine Haus-genossen an dieser ansteckenden Krankheit gelitten. Der Dr. Thönissenversichert Ihnen ferner, daß ich ihn noch im Hause des Paas ange-troffen und ausdrücklich darüber zu Rathe gezogen habe, ob derselbefähig sei, ein Testament zu machen, und daß er mir eine ganz be-stimmt bejahende Antwort gegeben, mich sogar zur Aufnahme desTestamentes aufgefordert habe.Sie haben gehört, daß ich, weil ich den Kranken, als ich zu-erst an sein Bett trat, etwas erschöpft fand, Bedenken trug, in die-sem Augenblicke das Testament aufzunehmen, mich vielmehr vorläufzurückzog, um ihm, der vielleicht durch die kurz vorhergegangene Un-terhaltung mit dem Dr. Thönissen noch angegriffen war, eine kurzeZeit der Ruhe und Erholung zu gönnen. Sie haben gehört, wieich in der Ueberzeugung, daß diese Art der Willenserklärung demGesetze genüge, und in der Absicht, dem Kranken, dem das Sprechenzwar nicht unmöglich, jedoch immer beschwerlich war, jede nur irgendzuläßige Schonung und Erleichterurg zu gewähren dem SohnePaas, der schon früher mit seinem Vater über das zu errichtendeTestament gesprochen hatte, bemerkte, daß es hinreiche, wenn seinVater auf die Fragen, die ich ihm vorlegen würde, nur Ja oderNein antworte. Sie haben ferner gehört, wie ich, nachdem derKranke sich etwas erholt hatte, abermals zu ihm ging, wie demselbendie Fragen vorgelegt wurden: ob er ein Testament machen wolle?ob er wolle, daß alle seine Kinder gleich viel erben sollen? ob eswahr sey, daß sein Sohn Gerhard bereits 775 Thlr. empfangenhabe? ob es sein Wille sei, daß derselbe diese 775 Thlr. wiederzur Masse bringen, resp. daß seine übrigen Kinder eine gleiche Summezum Voraus erhalten sollen? Sie haben von allen Zeugen, selbstvon dem Zeugen Boocks gehört, wie der Testator in Beantwortungdieser Fragen keineswegs unarticulirte Laute hervorgebracht, sondernin, wenn auch krankhaftem Tone, doch in verständlicher deutscherSprache:Ja Ja, aber ohne Zinſen Ja, ich hoffe nochmehr erwiedert hat. Sie haben gehört, daß gerade diese Aeu-ßerungen des Testators die Zeugen zu dem Schlusse führten, daßderselbe verständig sei, und denselben die Ueberzeugung verschafften,daß das, was ich nunmehr niederschrieb, wirklich der Wille des Te-stators war. Ja, der Testator selbst hat Ihnen erklärt, daß das,was ich niedergeschrieben, dasjenige ist, was er damals wollte undwas er heute noch will. Sie haben endlich gehört, daß der Testa-tor, zur Unterschrift aufgefordert, wirklich unterschrieben hat, daß eralso nicht nur die desfalls an ihn gerichtete Aufforderung verstand,sondern auch den Willen und selbst die Kraft hatte, derselben Folgezu leisten, während in der Regel bei am Krankenbett aufgenommenenTestamenten die Schwäche des Testators die Unterschrift unmoglich macht.Zwar sagen sowohl die Kinder des Testators, als die Zeugen,daß derselbe während seiner Krankheit bald bei Besinnung gewesen