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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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5g6 DAS ENDE

vollste Kraft und Gesundheit voraussetzte, wenn sie auch keineAlltagsseele war, sondern ihren Flug in geistige Höhen nahm, wonur die Adler des Geistes kreisen. Sie verriet namentlich einelogisch-dialektische Schärfe, die sich in den entlegensten und ab-straktesten Bereichen der scholastischen Begriffswelt am wohlstenfühlte, und bekundete doch wieder einen praktisch-nüchternenSinn, der sich in den größten Fragen des Staates wie in den klein-sten Angelegenheiten des Hauses mit gleicher Sicherheit bewegte.Damit verband sich ein stählerner, unbeugsamer Wille, eine leb-hafte, künstlerische Einbildungskraft und ein weiches, reiches, tie-fes, der hingehendsten Liebe und grenzenlosesten Opfer fähiges Ge-müt. Alle diese seltenen Geistesgaben verwandte er im Dienste sei-nes himmlischen Herrn, um am Galgen zu enden. Aber wenn er auchäußerlich unterlag, die Feuerprobe bestand er doch. Und dasOpfer seines Lebens war nicht umsonst gebracht. Der Galgenkonnte den nicht entweihen, den ein heiliger Wandel geadelt hatte,im Gedächtnisse aller Gutgesinnten wird sein Name ewig in Ehrensein. Die Erneuerung der Kirche, für die er stritt, litt und starb,schaute er mit irdischen Augen nicht mehr, seine und ihre Feindetriumphierten hohnlachend bei seinem Tode. Aber gerade in sei-nem Untergange triumphierte er über sie. Auch von ihm galt dasberühmte Wort: Sanguis martyrum semen Christianorum.AllesGroße, das ist die tiefste geschichtsphilosophische Wahrheit 126 , lebtvom freiwilligen Opfertode des Unschuldigen und Gerechten. Wiedie Völker dadurch bestehen, daß sich die Reinsten und Kräftig-sten in Zeiten der ärgsten Not zum Opfer darbieten, so lebt auchdie Kirche vom Blute ihrer edelsten Söhne. Was die Menschheitan höchsten Gütern besitzt, durch jene sind sie erworben und mitVerkennung, Ausstoßung und Tod ihnen gedankt worden. DieGeschichte der Menschheit ist die Geschichte des Märtyrertums.Nach uraltem Glauben muß in den Grund eines Baues, der dauernsoll, unschuldiges Leben eingemauert werden." So gab sich derFrate, Blutzeuge der Reform, zum Opfer hin, auf dem sich derBau der Zukunft, der erneuerten Kirche, erheben konnte.

Noch von den Rauchwolken geschwärzt, die an den Leibern derHingerichteten geleckt hatten, begab sich der Ordensmeister am23. Mai in Begleitung Romolins und des Weihbischofs Paganottinach S. Marco 127 , las den vor ihm auf den Boden hingestrecktenBrüdern die päpstlichen Bullen und Breven vor, sprach sie von