3g4 DAS ENDE
keine Seitensprünge und Verirrungen gekrümmten und durch-brochenen Linie bewegte sich sein Leben diesem einen Ziele ent-gegen, das den Jüngling erfüllte und den Mann auf dem Gipfelseiner Erfolge beherrschte; es gab keine Bekehrung für ihn, keineEntwicklung, keinen Widerruf, keine Risse, Wunden und Nar-ben, seine Schriften brauchen daher auch nicht nach seinen Le-bensabschnitten sorgsam abgesteckt, sondern dürfen als treuerAusdruck siner steten, in Gottes unwandelbarer Offenbarungverankerten Überzeugung für alle Spannen seines Lebens aufge-führt werden. Der Mann aus einem Gusse, war er, was er war,immer ganz: ganzer Christ, ganzer Ordensmann, ganzer Priester,ganzer Prediger. In unaufhörlichem Gebete mit Gott vereint, durchständige Beschäftigung mit den heiligen Büchern in Gottes Rat-schlüsse und Wege eingeführt, durch unaussprechliche Erlebnisseseiner göttlichen Sendung gewiß, fühlte er sich mit Gott ebensoeins, wie sich der Gesandte eins fühlt mit seinem Herrscher alssein Sprachrohr und Mitwisser seiner Entschlüsse; so kündete erWunder an, gab Aufschluß über das jenseitige Geschick von Ver-storbenen und schreckte vor der Beteuerung nicht zurück, wenner lüge, so lüge Gott oder Christus, und wer ihm nicht glaube,der könne kein wahrer Christ sein. Die straffe Zusammenfassungaller seiner Gedanken und Bestrebungen auf das eine letzte Ziel,das er für das höchste Lebensziel aller Christen hielt, verliehseiner Persönlichkeit jene innere Wucht und Geschlossenheit undjenen überwältigenden Schwung, die das Geheimnis seiner Er-folge bildeten, aber freilich auch jene starre Enge, jene groß-artige Einseitigkeit mit sich brachte, die das unvermeidliche Erbenicht etwa nur aller Religionsstifter, Propheten und Reformato-ren 121 , wie aller Jenseitsreligionen, sondern überhaupt aller ziel-bewußten Naturen ist. Wer seine ewige Heimat bei seinem gött-lichen Vater im Himmel sucht, der kann nicht an den flüchti-gen Gütern und Genüssen der Erde hängen, und wer an diesegleichwohl sein Herz verliert, dem kann es mit seinem Glaubenan jenseitige Beseligung nicht voller Ernst sein; nur unklare,schwache Seelen möchten beides vereinen und wie Kinder alles zu-gleich haben. „Von beiden Welten eine mußt du wählenl" Brand-markt man die feurige Predigt zu mutiger Entschiedenheit für dasJenseits und die dazu führenden Wege und Mittel als Fanatismus,so hiddigte der Frate ohne Zweifel dem kühnen Fanatismus, der