5Q2, DAS ENDE
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wahren Gottesgesandten und Propheten, trotz Kirchenbann, Ver-hör und Hinrichtung. Ich selbst bin hierüber im Zweifel und habekeine bestimmte Meinung nach der einen oder anderen Seite hin,sondern warte die Zeit ab, die alles klärt. Nur das bemerke ichzum Schlüsse: war er gottesfürchtig, so hatten wir in ihm einengroßen Propheten, war er gottlos, einen außerordentlichen Men-schen in unserer Mitte — denn, von seiner Gelehrsamkeit abge-sehen, war, um sich so viele Jahre lang vor aller Welt in solcherWeise zu verstellen, unstreitig ein ganz seltener Geist vonnöten."Dieselbe Auffassung teilte Nikolaus Machiavelli, der berühmteStaatsmann, gewiß kein Fratesche 114 . „Das florentinische Volk",schrieb er 115 , „meint weder ungebildet noch blöde zu sein, unddoch glaubte es der Versicherung Savonarolas, er rede mit Gott.Ich will nicht untersuchen, ob dies wahr oder nicht wahr, dennvon einem so großen Manne geziemt es sich, mit Ehrfucht zureden 116 . Wohl aber sage ich, daß ihm Unzählige glaubten, ohneetwas Besonderes gesehen zu haben, was ihren Glauben veran-laßt hätte; denn sein Leben, seine Lehre und der Inhalt seinerPredigten genügten, ihm Glauben zu verschaffen." „Ich meine,"so äußerte er sich an anderer Stelle 117 , „jenen großen Savona-rola, der euch unter dem Hauche göttlicher Kraft im Banne seinerPredigt hielt. Da aber viele den allmählichen Untergang ihresVaterlandes von seiner prophetischen Lehre befürchteten, so bliebkein anderer Ausweg für eure Einigung: entweder er wuchs, odersein himmlisches Licht mußte in stärkerem Feuer erstickt wer-den."
Wer den Frate durch die Straßen der Dantestadt schreiten sah,der hätte es dem hageren, schmächtigen Männchen im rauhen,geflickten Ordenskleide wahrlich nicht angesehen, daß er dengewaltigen Bußprediger vor sich hatte, dessen Worten ganz Italienlauschte. Von mittlerem, eher kleinem Wüchse, hatte er für denersten Blick nichts Überragendes an sich 118 . Aber seine Haltungwar aufrecht und stramm, alle seine Geberden und Bewegungenanmutsvoll und gemessen. Sein großes Gesicht mit den lebhaften,ausdrucksvollen Zügen machte einen tiefen, unvergeßlichen Ein-druck. Die blauen Augen, von buschigen, roten Brauen beschattet,sprühten bald Feuer, bald leuchteten sie in träumerischer Selig-keit. Die hohe, von zahlreichen Furchen durchschnittene Stirnsprach von harter Gedankenarbeit, die stark entwickelte Adler-