588 DAS ENDE
lichkeit bestand der Anteil des Heiligen Stuhles an der Hinrichtungdes Frate lediglich darin, daß er ein schon beschlossenes Todes-urteil bestätigte, das eben deshalb auch nicht auf Grund einer kirch-lichen Verschuldung, wie der Ketzerei, der Kirchenspaltung oderder Verletzung der kirchlichen Verfassung durch den Ruf nacheinem Konzile, sondern aus ganz anderen Ursachen erfolgte,mochten gleich die päpstlichen Kommissäre, und zuvor schon dieCompagnacci, um dem Kinde einen Namen zu geben, jene Ver-gehen anführen und geflissentlich unter dem Volke verbreiten 102 .Denn ganz abgesehen davon, daß man die Mönche ohne irgend-welchen Widerruf von ihrer Seite vor ihrem Tode zu den heiligenSakramenten zuließ und sogar mit einem vollkommenen Ablasseausstattete, eine Gnade, die Ketzern und Schismatikern sonst nichtzu widerfahren pflegte 103 , so sprach es jeder Billigkeit Hohn, dieForderung nach einem Konzile zur Absetzung des verlottertenPapstes und zur Reform der Kirche nur am Frate und nicht auchan den Kardinälen als todeswürdiges Verbrechen zu ahnden 104 ,die sie gleich ihm erhoben hatten. Ebenso hinfällig ist die allemAnscheine nach unausrottbare Behauptung, die Politik sei es ge-wesen, die, den Frate an den Galgen brachte. Wohl verfolgten dieArrabbiati in ihm den Verbündeten Karl VIII. und die Säule derPiagnonen, der Papst und die Liga die Hauptstütze der franzö-sischen Politik. Gleichwohl bekämpften sie nicht seine Beteiligungan der Politik an sich, sondern nur ihre Richtung. Die Arrab-biaten hätten ihn in den Himmel erhoben, hätte er ihre Ge-schäfte besorgt, der Papst aber bot ihm den roten Hut an, wenner die ligistische Politik unterstütze!
Trotzdem waren die Florentiner im Rechte, wenn sie Rom unddie Kirche für das Geschick des Frate verantwortlich machten.Priester und Mönche waren die Urheber und Mörder, die Arrab-biati und Compagnacci waren nur die Vollstrecker und Henker.Die Reform wa r es, die der Prophet mit seinem Leben bezahlte.Der Galgen wurzelte im Banne und der Bann in der neuenrömisch-tuszischen Kongregation, durch welche der Reformver-band von S. Marco aus den Angeln gehoben werden sollte. DerWiderstand gegen S. Marco ging von S. Marco selbst aus. DerHang zur Bequemlichkeit, das Verlangen nach Entbindung vombeschwerlichen Fasten der ursprünglichen Regel, das Strebennach einem, eine gewisse Behaglichkeit verbürgenden Besitze, die